Booklet Torwarttraining Basis Vol.1

Torwarttraining Basis Vol.1 Lieber Torwarttrainer,
Lieber Torhüter,

effizientes Torwarttraining gehört mittlerweile zum festen Standard, wenn es um die Förderung junger Torleute geht. Im modernen Fußball wird die Torhüterposition immer wichtiger. Dabei sind nicht nur Sprungkraft und schnelle Reaktionen auf der „Linie“ gefragt, sondern auch Übersicht, Spielverständnis und aktives Teilnehmen am Spielgeschehen. Da adäquates Torwarttraining vor allem in Vereinen oft zu kurz kommt, wollen wir mit dem DVD-Fußballtrainer-Spezial dazu beitragen, Torhüter erfolgreicher auszubilden.

Die Grundlagen für erfolgreiche Torhüter sind daher klar definiert. Eine saubere und runde Technik in den Bereichen Fangen, Fliegen und Landen ist heute genauso wichtig wie die Ausbildung der verschiedenen koordinativen Aspekte und die Verbesserung der fußballerischen Fähigkeiten. Daher sollte der Trainer unbedingt Wert auf verschiedene Übungsinhalte legen und durch ständiges Variieren der Trainingseinheiten für ein optimales Torwarttraining sorgen.

Eines sollte man dabei nie vergessen: Gezieltes Torwarttraining, mit all seinen spezifischen Komponenten, wie z.B. forciertes Sprungkrafttraining, Flankensituationen und Reaktionsübungen zur Verbesserung der Schnellkraft, sollte erst ab dem D-Jugendbereich integriert werden. Die jüngeren Nachwuchskeeper im F- und E-Jugendbereich sind primär spielerisch auszubilden. Hierbei stehen einfaches Fangen und vor allem Fußballspielen im Vordergrund. Daher ist es im Kleinfeldtraining sinnvoll, auf eine allgemeine Grundausbildung statt auf feste Positionen und Spezialisierung zu achten.

Die Trainingsphilosophie:

Torwarttraining ist, im Gegensatz zum Mannschaftstraining, viel individueller. Ziel ist es, den Torhüter, als Ergänzung zum Mannschaftstraining, auf dieser Position langfristig weiter auszubilden, wobei der Spaß am Torwartspiel immer im Vordergrund stehen sollte. Motiviere die Torhüter durch spannende und abwechslungsreiche Übungen und lobe immer wieder die Fortschritte. Koordinationsübungen sollten immer integriert werden, um ein runderes und flüssigeres Bewegungsverhalten zu schulen und um wichtige Muskelpartien, für die richtige Körperhaltung, zu kräftigen. Das Fußballspielen darf dabei nicht zu kurz kommen. Lass die Torhüter während den Pausen immer wieder verschiedene Schusstechniken und Tricks üben und integriere sie in Jonglier-Wettkämpfe. Auf diese Weise können sich die Torleute aktiv erholen, es fördert den Spaß ebenso wie die fußballerischen Fähigkeiten im Training. Erst der mitspielende Torwart ist ein guter Torwart, da er im Spielaufbau als zusätzliche Anspielstation dient und knifflige Situationen, im und außerhalb des Strafraumes, fußballerisch lösen kann. Dabei ist es wichtig, dass der Torwart als eine Art „Libero“ agiert, der sich immer auf Ballseite bewegt und zu lang gespielte Bälle ablaufen kann.

Das Techniktraining:

Im Techniktraining sollten vor allem die grundlegenden Techniken wie Fangen, Ball aufnehmen und die Bewegung des ganzen Körpers zum Ball erlernt bzw. gefestigt werden. Durch Demonstrieren der einzelnen Technikformen nehmen die Torhüter bereits einen Großteil der Information auf. Da aber eine Bewegung aufgrund des neurophysiologischen Systems niemals gleich ist, sollten die Techniken zwar ständig wiederholt, die Übungen aber immer wieder variiert werden, um einen sinnvollen Praxisbezug herzustellen. Weniger, dafür stichhaltigere Feedbacks, am Ende einer Übung, führen zu längerfristigem Erfolg.

Beispiel: Der Ball wird mit einer bestimmten Stellung der Hände gefangen. Diese liegen dabei seitlich, sodass die Daumen hinter dem Ball sichern. Die Arme sollten dabei nahezu gestreckt sein. Dieser Inhalt sollte immer wieder in verschiedenen Übungen zum Tragen kommen.

Die Koordination:

Die Koordination gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiches Sporttreiben. Im Falle des Torwarts werden bestimmte koordinative Fähigkeiten benötigt, um in den verschiedensten Situationen optimal reagieren zu können. Die Fähigkeit, sich möglichst schnell auf neue Situationen einstellen zu können, sowie das schnelle Reagieren und Orientieren, bilden dabei wichtige Komponenten für ein souveränes Torhüterspiel. Durch koordinative Laufübungen verbessert der Keeper vor allem das Zusammenspiel der einzelnen Muskelfasern untereinander. Dadurch werden u. a. Körperhaltung, Beweglichkeit und Kraftniveau verbessert. Verwende dafür verschiedene Trainingsmittel, wie z.B. Koordinationsleitern, Stangen, Hocker oder Hütchen. Durch die vermehrte Arbeit auf den Fußballen werden seine Aktionen schneller und dynamischer. Der Torwart sollte im Training immer wieder mit Koordinationsübungen konfrontiert werden, um seine Sinne zu schärfen und um für Überraschungen im Spiel gewappnet zu sein.

Das Training:

Die Trainingsübungen auf dieser DVD sind in erster Linie Anregungen für optimales, grundlegendes Torwarttraining. Dabei können und sollten selbstverständlich alle Übungen ständig variiert werden. Das Training sollte kreativ sein und gleiche Inhalte immer wieder in anderen Übungen vermitteln, um nicht monoton zu arbeiten.

Beginne jedes Training mit ca. 10-15-minütiger, gezielter Erwärmung der im Training hauptsächlich beanspruchten Muskelgruppen. Vor allem die vordere und hintere Oberschenkelmuskulatur sowie die Waden und Rumpfmuskeln sollten dabei ordentlich auf Temperatur gebracht werden, um im weiteren Verlauf der Trainingseinheit ökonomischer und runder zu arbeiten. Am besten eignen sich dabei spielerische Übungen, bei denen der gesamte Körper in Bewegung ist. Je nach Alter integrierst Du Kräftigungsübungen für Bauch-, Rücken und seitliche Rumpfmuskeln. Auch die Arme und der Schultergürtel sollten immer wieder gekräftigt und werden. Nach der Erwärmung sollten diese Muskelpartien dem Alter entsprechend gedehnt werden, um die Flexibilität für das Training zu wahren.

Im Sprungkrafttraining sollen vor allem die Waden sowie die vordere Oberschenkelmuskulatur trainiert werden. Sprung-, Hüpf- und Schnelligkeitsübungen eignen sich dabei besonders gut, da sie zur Verbesserung des Faserzusammenspiels beitragen und die Schnellkraft fördern.

Nach der Aufwärmphase beginnt das Einschießen. Der Torwart bekommt dadurch immer mehr Gefühl für den Ball und wiederholt dabei die Grundtechniken wie das Aufnehmen, das frontale Fangen und das seitliche Fallen. Tipp: Benutze ständig unterschiedliche Schusstechniken.
Im Hauptteil arbeitest Du konzentriert an ein bis zwei Themengebieten: Flache Bälle, hohe Bälle, Reaktionstraining, „1 gegen 1“-Situationen oder bestimmte Technikformen. Gehe dabei ab und zu in den Pausen auf Fehlerbilder ein, z.B. Fußstellung, Handhaltung oder Körperpositionen. Achte in jedem Fall darauf, dass immer beide Seiten trainiert werden, um eventuelle „Schokoladenseiten“ zu vermeiden.

Abschließend sollte sich der Torwarttrainer immer die Möglichkeit schaffen, seinen Schützling in Ruhe betrachten zu können. Das Ende des Trainings könnte beispielsweise ein Schusswettkampf zwischen zwei Torhütern sein. Während die Keeper, mit viel Spaß an der Sache, das Gelernte anwenden, kann der Trainer gesondert beobachten und am Ende des Trainings noch einmal auf Schwächen eingehen. Videoanalysen bieten sich hierfür ebenfalls an.

Der Umfang und die Intensität:

Die Übungen sind prinzipiell für jedes Alter zugänglich. Wenn mit jüngeren Torhütern (E-Jugend) trainiert wird, sollten vermehrt spielerische Akzente gesetzt werden. Dabei wird zwar auch auf die Technik eingegangen, sie wird ihnen aber nicht aufgezwungen. Vermittel’ den jüngeren Keepern die Torwartposition als Actionfeld. Schießen, fliegen, „1 gegen 1“-Situationen und fußballerische Elemente sollten immer wieder im Training vorkommen. Umfang und Intensität sollten erst ab dem späten D-Jugendbereich forciert werden. Passe Schussstärke und Wiederholungszahlen an, um dem Alter entsprechend optimale Trainingsreize zu setzen. Durch die Inhalte dieser DVD können vor allem auch die konditionellen Aspekte, wie Kraftausdauer, Schnellkraft und Schnelligkeit, besonders gut trainiert werden. Achte darauf, die richtige Intensität im Bezug auf den Trainingsumfang zu legen. Als Faustregel eignet sich dabei: Schnelligkeit und Schnellkraft mit maximalem Tempo und geringeren Umfängen trainieren; Kraftausdauertraining länger und dafür mit weniger Krafteinsatz durchführen.

 

Die Grundtechniken

Grundstellung:
Diese nimmt der Torwart ein, kurz bevor er einen Schuss erwartet. Aus dieser Grundposition heraus sollte der Torhüter jeden Bewegungsablauf ausführen können. Die Haltung ist aufrecht, die Knie sind leicht gebeugt. Durch den schulterbreiten Stand auf den Fußballen erzeugt der Torhüter eine optimale Vorspannung in der Wadenmuskulatur, wodurch die nachfolgende Aktion schneller und dynamischer wird. Die Arme sind dabei leicht nach außen gestellt. So sollte es z.B. nicht aussehen!

Oberes Fangen:
Achte beim Fangen darauf, dass der Körper hinter den Ball gebracht wird. Das Ziel in den nun folgenden Techniken ist, dass Ball und Körper eine Linie ergeben. Beim Fangen von Bällen ab Brusthöhe aufwärts bilden die Hände einen Korb, wobei die Finger nach oben zeigen. Daumen und Zeigefinger sind hinter dem Ball und bilden ein Dreieck. Die Arme sind dabei nahezu gestreckt, denn der Ball sollte möglichst weit vor dem Körper gefangen werden.

Unteres Fangen:
Beim Fangen von Bällen unterhalb der Hüfte sind die Arme gerade nach unten gestreckt und die Hände gehen dem Ball entgegen. Die Hände und Finger bilden eine Art Schaufel, wobei die kleinen Finger sehr nah beieinander sind. Sobald der Ball die Finger berührt, umschließen ihn die Hände. Der Körper gleitet langsam zu Boden, wobei der Ball in einer flüssigen Bewegung zum Körper gezogen und gesichert wird.

Fallen & Sichern:
Nach dem Fallen oder Hechten setzt der Torwart als erstes seitlich den Oberschenkel, dann die Hüfte und als letztes den Oberkörper auf den Boden. Dabei ist es wichtig, dass der Torwart nicht auf den Ellenbogen fällt, sondern die Arme immer frei sind. Der Torhüter erlangt dadurch einen größeren Bewegungsspielraum, so dass er den Ball besser fangen kann.

Hechten:
Die Fußstellung ist das A und O beim Absprung zum Hecht. Der Fuß steht optimal in 45 Grad zur Absprungrichtung. Durch das Nach-vorne-Setzen des Fußes springt der Torwart dem Ball entgegen und verkürzt somit geschickt den Torwinkel. Das Absprungbein wird gebeugt und drückt sich in Richtung des Balles vom Boden ab. So nutzt der Torwart die optimale Kraftübertragung zwischen Kniehebel und Muskulatur. Zu beachten ist die Körperspannung in der Flugphase. Die Rumpfmuskulatur wird dabei vollständig beansprucht, um ein Absinken der Hüfte im Flug zu verringern. Dadurch vermeidet der Keeper Höhenverluste und die Bewegung wird insgesamt runder.

Übergreifen:
Nach dem Absprung führt der Torwart den oberen Arm zum Ball. Wenn die Hand den Ball erreicht hat, lenkt sie diesen nach oben über die Latte oder seitlich neben den Pfosten hin ab. Achtung: Es darf nicht nach dem Ball geschlagen werden. Erst nach dem Abwehren des Balles sollte der Torwart die obere Schulter eindrehen und sich auf die Landung und das Abrollen vorbereiten.

Flanken:
Der Ball wird vor dem Kopf mit gestreckten Armen in voller Körperstreckung gefangen, auch hier soll der Ball in einer Linie mit dem Körper gefangen werden. Unterstützt wird das Fangen durch den Absprung. Als Vorbereitungsphase für den Absprung dient dabei ein letzter, großer Schritt. Das Bein, das weiter vom Gegenspieler entfernt ist, springt nach vorne oben ab. Danach führt das Schwungbein aktiv zur Körpermitte und die Arme die gehen gestreckt zum Ball. Der Ball sollte am höchstmöglichen Punkt gefangen werden. Das Schwungbein sollte immer auch das Schutzbein gegen den Stürmer sein.

1 gegen 1:
Der Körperschwerpunkt ist tiefer als in der Grundstellung, die Arme sind weit nach außen gestellt und der Torwart steht auf den vorderen Fußballen. In der Aktion sollte der Torwart versuchen, so lange wie möglich stehen zu bleiben und sich durch die Finten des Gegners nicht irritieren zu lassen. In dieser Lauerstellung kann er den Moment des freien Balles genau abpassen und schnellkräftig reagieren.

Beinarbeit:
Die Beinarbeit ist enorm wichtig, da sie alle Aktionen des Torwarts positiv unterstützen kann. Durch schnelle Beinarbeit verbessert der Torwart nicht nur seine Bewegungskoordination, sondern auch das eigene Stellungsspiel. Dadurch kann er unnötigen Hecht- und Flugaktionen aus dem Wege gehen. Wichtig sind vor allem Side-Steps und kurze, schnelle Schritte vor- und rückwärts.

Abschlag:
Der Abschlag ist ein wichtiges Mittel, um einen Mitspieler über größere Distanzen hinweg anzuspielen. Man kann ihn nutzen, um Gegenangriffe einzuleiten oder um seine Mannschaft vom Gegnerdruck zu befreien. Man unterscheidet im modernen Torwartspiel zwei Arten von Abschlägen.

Der seitliche Volley-Abschlag: Beim Volley wird der Ball direkt in der Luft getroffen. Damit der Ball so flach wie möglich bleibt, macht der Torwart einen kurzen Anlauf, wirft den Ball seitlich an, lehnt sich leicht zur Seite, holt mit dem Schussbein aus und trifft den Ball neben dem Körper.

Der Dropkick-Abschlag: Wiederum nach einem kurzen Anlauf lässt der Torwart den Ball fallen, lehnt den Oberkörper leicht nach hinten, dann winkelt er seinen Unterschenkel ab, visiert mit einem festen geraden Spann den Ball an und trifft diesen kurz nach dem Aufprall.

Abwurf:
Der Abwurf ist das wichtigste Mittel, den eigenen Spieler anzuspielen. Er ist die genauste und schnellste Möglichkeit, einen Gegenangriff oder Konter einzuleiten. Wir empfehlen den Schwungwurf. Diese Wurfart hat den Vorteil, dass der Ball durch seine Rückwärtsrotation vom Mitspieler leichter angenommen werden kann. Der Ball wird von der Wurfhand und dem Unterarm eingeklemmt und hinter den Körper geführt. Das gegenüberliegende Bein, die Schulter und der Schwungarm zeigen in Wurfrichtung nach vorne. Der Wurf wird mit einem Stemmschritt nach vorne eingeleitet. Der Körperschwerpunkt verlagert sich vom hinteren auf das vordere Bein. Dann kommt der Wurfarm schnell und kräftig über den Kopf nach vorne und bleibt so lange gestreckt, bis der Ball die Hand über dem Kopf verlässt.

Die Mitwirkenden:
Das Training wurde geleitet und zusammengestellt von Ferdinand Reinhard.
Der DVDFussballtrainer bedankt sich für die Mitwirkung bei folgenden Torleuten:

Stefan Wachenheim (Jahrg. 1991), VFR Garching (Bezirksoberliga)
Phillip Steudle (Jahrg. 1993), FC Augsburg Jugend (Bayernliga Süd)
Fabio Bove (Jahrg. 1993), FT Starnberg Jugend (Landesliga Süd)
Johann Hipper (Jahrg. 1998), TSV Milbertshofen
Marco Jakob (Jahrg. 2000), JFG TaF Glonntal

Nun viel Spaß und Erfolg mit dieser DVD!
Dein DVDFussballtrainer

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