Booklet Torwarttraining Erweitert Vol.1
Lieber Torwarttrainer,
Lieber Torhüter,
Torwarttraining ist ein sehr komplexes und spezielles Thema, das in der Ausbildung jugendlicher Fußballer und als Trainingsinhalt Erwachsener häufig zu kurz kommt. Das Anforderungsprofil eines Torhüters ist äußerst vielseitig und besteht aus technischen, psychischen, physischen, koordinativen, taktischen und konditionellen Merkmalen. Wir möchten Dir mit dieser DVD Inspiration für ein Torwarttraining geben, mit denen Deine Keeper einfach besser Fußball spielen.
Die Vielseitigkeit des modernen Torwartspiels läßt sowohl für Trainer als auch für Torleute enorm viel Kreativität zu. Mit dieser DVD wird es daher jedem gelingen, sich seine Trainingseinheiten in kürzester Zeit selbst zusammenzustellen und damit sein Fußballtraining jedes Mal wieder neu zu gestalten.
Wir wünschen Dir nun viel Spaß und Erfolg mit Deiner DVD!
Dein Team vom DVDFussballtrainer
Die Philosophie
Torwarttraining sollte immer ein langfristiges Konzept sein. Es ist nie zu spät, Torwart zu werden. Wichtig ist die Freude daran, etwas Neues zu erlernen oder sich zu verbessern. Der Spaß sollte beim Training immer im Vordergrund stehen und darf nie zu kurz kommen. Jeder Torwart sollte ein wenig verrückt sein, denn wer lässt sich normalerweise freiwillig von anderen die Bälle um die Ohren hauen?
Gezieltes Torwarttraining, mit all seinen spezifischen Komponenten, wie z.B. forciertes Sprungkrafttraining, Flankensituationen und Reaktionsübungen zur Verbesserung der Schnellkraft, sollten erst ab dem D-Jugendbereich integriert werden. Die jüngeren Nachwuchskeeper im F- und E-Jugendbereich sind primär spielerisch auszubilden. Hierbei stehen einfaches Fangen, Fallen und vor allem Fußballspielen im Vordergrund. Daher ist es im Kleinfeldtraining sinnvoll, auf eine allgemeine Grundausbildung statt auf feste Positionen und Spezialisierung zu achten.
In den älteren Jahrgängen ab den D-Junioren steht speziell das Techniktraining im Vordergrund. Das Torwarttechniktraining darf einen Torwart nicht zu sehr anstrengen, denn hier sollen Übungen immer wieder mit voller Konzentration und Frische durchgeführt werden, um dem gewünschten Lernerfolg nicht im Wege zu stehen.
Wir wollen Dir mit dieser DVD zeigen, dass der Torwarttrainer mit einer vielseitigen Auswahl an Übungen seinen Torhüter in allen Komponenten des Torwartspieles verbessern kann. Ganz wichtig ist auf jeden Fall die richtige Kommunikation zwischen Trainer und Torwart. Hier dürfen alle Arten von Hilfsmitteln genutzt werden, um den Torwart zu unterstützen (Video, Foto, Beobachtung). Die meisten Torhüter lernen visuell, das kann z.B. ein kleines Video mit dem Handy oder der Kamera sein, das man sich während des Trainings kurz ansieht. Der Torwart bemerkt selbst, was der Trainer meint, und kann mit der nächsten Korrektur besser umgehen.
Das Torwarttraining
Beginne jedes Torwarttraining mit ca. 10-15 Minuten gezielter Erwärmung der im Training hauptsächlich beanspruchten Muskelgruppen und des Herzkreislaufsystems, um Verletzungen vorzubeugen.
Ein Aufwärmprogramm sieht in der Regel folgendermaßen aus: 5 Minuten Einlaufen, um die Durchblutung der Muskulatur zu fördern, gerne auch mit Ball. Nach der Erwärmung altersgerechtes Mobilisieren oder Dehnen der Hauptmuskelgruppen. Dies dient der Verbesserung der Beweglichkeit und dem Schutz der Gelenke, Kapseln und Sehnen. Dann kann mit den torwartspezifischen Aufwärmübungen dieser DVD begonnen werden. Natürlich kann der Torwart aber auch die ersten Minuten beim Aufwärmtraining seiner Mannschaft mitmachen und erst dann in das spezifische Training einsteigen. So bildet er sich auch in seinem Fußballspiel weiter und hat einen darüber hinaus einen engen Bezug zu seinen Mitspielern.
Wähle für jede Trainingseinheit aus jeder Kategorie der DVD ein bis zwei Übungen heraus und stelle sie dann sinnvoll nach ihrer Zielsetzung zusammen:
Beispiel: Gesamttrainingszeit 60 Minuten
| 1 | Allgemeine Erwärmung | 10 Minuten | |||||||||||||||||
| 1a | Aufwärmen mit Ball2 Übungen10 Minuten | ||||||||||||||||||
| 2 | Ballarbeit mit dem Fuß | 2 Übungen | 10 Minuten | ||||||||||||||||
| (Spieleröffnung) | 3 | Techniktraining | 2 Übungen | 15 Minuten | 4 | Reaktionstraining | 1 Übung | 5 Minuten | 5 | 1 gegen 1 | 1 Übung | 5 Minuten | 6 | Torwartspielform | 1 Übung | 5 Minuten |
Der Trainingsinhalt
In den hier gezeigten Übungen ist darauf zu achten, dass die linke und die rechte Seite jedes Torwarts gleichermaßen trainiert wird.
Sofern Du es für richtig hältst, kannst Du jede Übung in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen und/oder umbauen. Fast jede Übung eignet sich sowohl für geworfene, geschossene, flache und hohe, mit oder ohne Schnitt geschossene Bälle. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Die Übungen können für alle Altersgruppen ab 10 Jahren und auch für das Training Erwachsener eingesetzt werden. Die Unterschiede liegen in der Wiederholungszahl, der Belastungsdauer, dem veränderten Aufbau und der Schärfe der geschossenen oder geworfenen Bälle.
Achtung:
Du hörst auf dieser DVD keinen Originalton und somit keine Kommandos unseres Trainers. Jedoch halten wir die Rückmeldung des Trainers an seinen Torwart für das A und O im Training. Hinweise, Verbesserungen, Lob und Ansporn sollten immer wieder formuliert werden.
Betone auch immer wieder die positiven Eigenschaften Deiner Torleute. Stelle aber auch heraus, in welchen Kategorien sich Deine Spieler noch verbessern sollten. Gebe ihnen Hinweise und Hilfestellungen, wie der Torwart es besser machen soll.
Die Trainingstipps für Torhüter
- Trainiere immer beide Seiten.
- Trainiere nicht nur Deine Schwächen, sondern auch weiterhin Deine Stärken.
- Der Torwart von heute ist der Libero von gestern: Stehe offensiv und spiele mit.
- Benutze im Training Hilfsmittel und Trainingsutensilien.
- Lerne von den Besseren.
- Trainiere nach folgenden Prinzipien: „Vom Leichten zum Schweren“ und „Vom Einfachen zum Komplexen“.
- Schaue Dein Torwartspiel selbst auf Video an.
- Nutze die Witterungsbedingungen für Dein Training (z.B. Regen = Aufsetzer).
- Trainiere auch mal ohne Handschuhe. So lernst Du, besser zu fangen.
- Ausrüstung ist wichtig, Einstellung jedoch wichtiger.
Die Hilfsmittel und Trainingsutensilien
Wir benutzen immer wieder verschiedenste Hilfsmittel in unserem Fußballtraining, um dieses abwechslungsreich und interessant zu gestalten. Dazu gehören Leiter, Hocker Gummiseile, Stangen, Tische, Springseile, Reifen, Leiter, etc.
Bei manchen Übungen haben wir zudem Bälle der Firma Rasenreich.com verwendet. Diese Fußbälle haben dasselbe Gewicht und dieselbe Größe wie ein normaler Fußball, jedoch eine andere Form. So eignen sie sich sehr gut für Reaktionstraining, Fangübungen und Beinarbeittraining. Zudem verbessern sie die Geschicklichkeit und die Koordination.
Die Ausrüstung
Zur Ausstattung eines Torwarts und speziell für das Torwarttraining sollten unbedingt einige Utensilien gehören.
Torwarthandschuhe:
Diese gibt es heute in jeder möglichen Farbe und Form, da findet jeder Torwart seine spezielle Vorliebe.
Kleidung:
Zum Training sollte man sich sowohl dem Wetter als auch dem Untergrund des Trainingsplatzes anpassen. Diverse Polster und Schoner für Ellbogen, Knie und Hüfte sind wichtige Hilfen und sorgen für einen verletzungsfreien Trainingsablauf. In der kalten und nassen Jahreszeit gehört eine Regenjacke zum unersetzlichen Trainingsbegleiter, da sie nicht nur vor Nässe, sondern auch vor Wind und Kälte schützt.
Fußballschuhe:
Zu jedem Untergrund gehört heute auch immer der passende Fußballschuh. Ob Hartplatz, Kunstrasen oder Rasen: wichtig beim Training oder im Spiel ist der richtige Halt, ein Torwart darf nie wegrutschen oder sich nicht richtig abdrücken können. Hier gilt immer: Das Schuhwerk muss zu den Bedingungen passen.
Alle weiteren Kleidungsstücke sollten den Vorlieben des Torwarts entsprechen.
Die Grundtechniken
Grundstellung:
Diese nimmt der Torwart ein, kurz bevor er einen Schuss erwartet. Aus dieser Grundposition heraus sollte der Torhüter jeden Bewegungsablauf ausführen können. Die Haltung ist aufrecht, die Knie sind leicht gebeugt. Durch den schulterbreiten Stand auf den Fußballen erzeugt der Torhüter eine optimale Vorspannung in der Wadenmuskulatur, wodurch die nachfolgende Aktion schneller und dynamischer wird. Die Arme sind dabei leicht nach außen gestellt.
Oberes Fangen:
Achte beim Fangen darauf, dass der Körper hinter den Ball gebracht wird. Das Ziel in den nun folgenden Techniken ist, dass Ball und Körper eine Linie ergeben. Beim Fangen von Bällen ab Brusthöhe aufwärts bilden die Hände einen Korb, wobei die Finger nach oben zeigen. Daumen und Zeigefinger sind hinter dem Ball und bilden ein Dreieck. Die Arme sind dabei nahezu gestreckt, denn der Ball sollte möglichst weit vor dem Körper gefangen werden.
Unteres Fangen:
Beim Fangen von Bällen unterhalb der Hüfte sind die Arme gerade nach unten gestreckt und die Hände gehen dem Ball entgegen. Die Hände und Finger bilden eine Art Schaufel, wobei die kleinen Finger sehr nah beieinander sind. Sobald der Ball die Finger berührt, umschließen ihn die Hände. Der Körper gleitet langsam zu Boden, wobei der Ball in einer flüssigen Bewegung zum Körper gezogen und gesichert wird.
Fallen & Sichern:
Nach dem Fallen oder Hechten setzt der Torwart als erstes seitlich den Oberschenkel, dann die Hüfte und als letztes den Oberkörper auf den Boden. Dabei ist es wichtig, dass der Torwart nicht auf den Ellenbogen fällt, sondern die Arme immer frei sind. Der Torhüter erlangt dadurch einen größeren Bewegungsspielraum, so dass er den Ball besser fangen kann.
Hechten:
Die Fußstellung ist das A und O beim Absprung zum Hecht. Der Fuß steht optimal in 45 Grad zur Absprungrichtung. Durch das Nach-vorne-Setzen des Fußes springt der Torwart dem Ball entgegen und verkürzt somit geschickt den Torwinkel. Das Absprungbein wird gebeugt und drückt sich in Richtung des Balles vom Boden ab. So nutzt der Torwart die optimale Kraftübertragung zwischen Kniehebel und Muskulatur. Zu beachten ist die Körperspannung in der Flugphase. Die Rumpfmuskulatur wird dabei vollständig beansprucht, um ein Absinken der Hüfte im Flug zu verringern. Dadurch vermeidet der Keeper Höhenverluste und die Bewegung wird insgesamt runder.
Übergreifen:
Nach dem Absprung führt der Torwart den oberen Arm zum Ball. Wenn die Hand den Ball erreicht hat, lenkt sie diesen nach oben über die Latte oder seitlich neben den Pfosten hin ab. Achtung: Es darf nicht nach dem Ball geschlagen werden. Erst nach dem Abwehren des Balles sollte der Torwart die obere Schulter eindrehen und sich auf die Landung und das Abrollen vorbereiten.
Flanken:
Der Ball wird vor dem Kopf mit gestreckten Armen in voller Körperstreckung gefangen, auch hier soll der Ball in einer Linie mit dem Körper gefangen werden. Unterstützt wird das Fangen durch den Absprung. Als Vorbereitungsphase für den Absprung dient dabei ein letzter, großer Schritt. Das Bein, das weiter vom Gegenspieler entfernt ist, springt nach vorne oben ab. Danach führt das Schwungbein aktiv zur Körpermitte und die Arme gehen gestreckt zum Ball. Der Ball sollte am höchstmöglichen Punkt gefangen werden. Das Schwungbein sollte immer auch das Schutzbein gegen den Stürmer sein.
1 gegen 1:
Der Körperschwerpunkt ist tiefer als in der Grundstellung, die Arme sind weit nach außen gestellt und der Torwart steht auf den vorderen Fußballen. In der Aktion sollte der Torwart versuchen, so lange wie möglich stehen zu bleiben und sich durch die Finten des Gegners nicht irritieren zu lassen. In dieser Lauerstellung kann er den Moment des freien Balles genau abpassen und schnellkräftig reagieren.
Beinarbeit:
Die Beinarbeit ist enorm wichtig, da sie alle Aktionen des Torwarts positiv unterstützen kann. Durch schnelle Beinarbeit verbessert der Torwart nicht nur seine Bewegungskoordination, sondern auch das eigene Stellungsspiel. Dadurch kann er unnötigen Hecht- und Flugaktionen aus dem Wege gehen. Wichtig sind vor allem Side-Steps und kurze, schnelle Schritte vor- und rückwärts.
Abschlag:
Der Abschlag ist ein wichtiges Mittel, um einen Mitspieler über größere Distanzen hinweg anzuspielen. Man kann ihn nutzen, um Gegenangriffe einzuleiten oder um seine Mannschaft vom Gegnerdruck zu befreien. Man unterscheidet im modernen Torwartspiel zwei Arten vom Abschlägen:
Der seitliche Volley-Abschlag:
Beim Volley wird der Ball direkt in der Luft getroffen. Damit der Ball so flach wie möglich bleibt, macht der Torwart einen kurzen Anlauf, wirft den Ball seitlich an, lehnt sich leicht zur Seite, holt mit dem Schussbein aus und trifft den Ball neben dem Körper.
Der Dropkick-Abschlag:
Wiederum nach einem kurzen Anlauf lässt der Torwart den Ball fallen, lehnt den Oberkörper leicht nach hinten, dann winkelt er seinen Unterschenkel ab, visiert mit einem festen geraden Spann den Ball an und trifft diesen kurz nach dem Aufprall.
Abwurf:
Der Abwurf ist das wichtigste Mittel, den eigenen Spieler anzuspielen. Er ist die genauste und schnellste Möglichkeit einen Gegenangriff oder Konter einzuleiten. Wir empfehlen den Schwungwurf. Diese Wurfart hat den Vorteil, dass der Ball durch seine Rückwärtsrotation vom Mitspieler leichter angenommen werden kann. Der Ball wird von der Wurfhand und dem Unterarm eingeklemmt und hinter den Körper geführt. Das gegenüberliegende Bein, die Schulter und der Schwungarm zeigen in Wurfrichtung nach vorne. Der Wurf wird mit einem Stemmschritt nach vorne eingeleitet. Der Körperschwerpunkt verlagert sich vom hinteren auf das vordere Bein. Dann kommt der Wurfarm schnell und kräftig über den Kopf nach vorne und bleibt so lange gestreckt, bis der Ball die Hand über dem Kopf verlässt.
Nun viel Spaß und Erfolg beim Torwarttraining!
Dein
DVDFussballtrainer
Mitwirkende:
Das Training wurde geleitet von Daniel Weber und zusammengestellt von Ludwig Trifellner und Daniel Weber.
Wir, das Team vom DVDFussballtrainer, bedanken uns für die Mitwirkung bei folgenden Torleuten:
Wolfgang Schober (Jahrg. 1989), Red Bull Salzburg (Bundesliga)
Emilio Pingatori (Jahrg. 1990), FC Ismaning (Bayernliga)
Stefan Wachenheim (Jahrg. 1991), VFR Garching (Bezirksoberliga)
Phillip Steudle (Jahrg. 1993), FC Augsburg Jugend (Bayernliga Süd)
Fabio Bove (Jahrg. 1993), FT Starnberg Jugend (Landesliga Süd)







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