Ein Wort zum Umgang mit Schiedsrichtern

Samstagvormittag beim E-Jugendspiel FC Schienbein gegen TSV Hohlfuß. Der FC Schienbein verliert das Spiel 1:2. Am Ende des Spiels beschweren sich die Spieler mit dem Trainer zusammen über die unglaublich schlechte Leistung des Schiedsrichters. Er hätte drei Elfmeter mindestens geben müssen. Kurz vor dem ersten Gegentor war der Ball doch im Aus. Und die anderen hätten so hart gespielt und der Schiri hätte das nicht unterbunden und überhaupt war der schlecht. „Wir wurden so klar verpfiffen“, hört man zum Schluss auch noch von den Eltern. Und dies muss man dem Schiedsrichter gleich unmittelbar nach Spielschluss mitteilen, am besten oft und laut.

Der Schiedsrichter an diesem Tag war 14, hat vor kurzem seinen Schiedsrichterschein gemacht. Er wurde von seinem Vater zum Spiel gefahren und hat eben erst sein fünftes Match gepfiffen. Es verdient großen Respekt, dass ein Jugendlicher in seinem Alter sich für diese Art der Freizeitbeschäftigung entschieden hat. Und er hat seine Sache an diesem Tag ganz gut gemacht. Natürlich hat er ein paar Fehler fabriziert, aber sind diese denn bei einem 14jährigen Referee-Lehrling“ nicht normal? Und haben diese wirklich das Spiel entschieden? Da waren doch die vier Alleingänge vom FC Schienbein, die alle zu keinem Tor geführt haben. Und die zwei Distanzschüsse, die der gegnerische Torwart so gut parieren konnte. Und der Freistoß an die Latte…

Der FC Schienbein hat bei näherem Betrachten ein gutes Spiel abgeliefert. Der TSV Hohlfuß war nur an diesem Tag einen Tick besser. FC Schienbein könnte trotz der knappen Niederlage stolz auf seine Leistung sein. Doch statt dies anzuerkennen, wird die Schuld lieber auf den Schiedsrichter geschoben und seine eigene gute Leistung einfach vergessen. Woher kommt das?

Vor gut einem Jahr fand in München ein „Mecker-Gipfel“ von DFB und DFL statt, wie es in einer Presseveröffentlichung vom Fernsehsen – der Eurosport formuliert wurde. Völler war da, Allofs auch, Hoeneß sowieso. Neben weiteren Managergrößen von DFB und DFL waren noch Volker Roth und Eugen Strigel von Schiedsrichterseite mit Anschauungsmaterial dabei. Danach wurde von mehr Transparenz und von besserer Qualifizierung der Schiedsrichter gesprochen. Ein Internetportal für die Schiedsrichter mit Videoaufnahmen von strittigen Szenen wurde vorgestellt. Inklusive Handlungsanweisungen – für die Schiedsrichter. Und für die Spieler bzw. Trainer? Betrachtet man sich die Tagesordnung des „Mecker-Gipfels“, fällt einem was sehr Interessantes auf. „Respekt und Umgang miteinander“ findet man dort. Man solle mehr Verständnis für die Arbeit des Unparteiischen aufbringen, meinte Uli Hoeneß danach. Das ist richtig. Aber ist dies nicht eigentlich Grundvoraussetzung? Ist es nicht schade, dass eine Selbstverständlichkeit auf eine Tagesordnung, egal welche, gesetzt werden muss?

Der Schiedsrichter muss als Autorität anerkannt, mögliche Fehlentscheidungen müssen akzeptiert werden. Im Normalfall entscheiden sie Spiele nur subjektiv. Mit einem oder zwei Tage Abstand merkt man, dass man es letztlich selbst in der Hand hatte, das Spiel zu gewinnen. Bundesligaprofis sind uns da kein Vorbild – sie meckern oder heben den Arm oder spielen den Unschuldigen vorsichtshalber immer und haben somit jeglichen Respekt gegenüber dem Unparteiischen verloren. Dass die Schiedsrichter in einem vollen Stadion oft hart und vielleicht auch arrogant reagieren, ist leider verständlich.
Wir als Trainer und Eltern sind in der Pflicht, dieses Verhalten bei Kindern und Jugendlichen nicht zu fördern, es zu unterbinden. Die Schuld beim Schiedsrichter zu suchen, ist einfach und lenkt von den eigenen Fehlern ab. Eine Verbesserung der eigenen Leistung ist dann kaum mehr möglich, da der „Schiri schuld war, nicht ich“. Fussball ist auch Leben lernen, daran muss man immer denken. Später im Beruf wird ein derartiges Verhalten nicht förderlich sein.

Es sei denn, man wird Fussballprofi. :)

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