Jugendarbeit im Verein – Interview mit Daniela Lahm

Daniele LahmEin Interview über das Thema „Jugendarbeit im Verein“ mit Daniela Lahm.

Die Mutter des Nationalspielers Philipp Lahm ist seit Jahren erfolgreiche Jugendleiterin der Fussballabteilung der FT Gern in München:

Frau Lahm, viele Vereine klagen über die Schwierigkeit, motivierte Jugendtrainer zu finden. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht oder haben Sie da weniger Probleme?
Doch, momentan ist es wieder mal nicht ganz leicht. Gegenwärtig haben wir da wieder ein paar Lücken und die muss man eben füllen. Das schaff ich auch, habe ich bisher immer hinbekommen. Aber es ist schwieriger, denn wer hat heute Zeit, sich zweimal die Woche um 17.00 gut vorbereitet auf den Platz zu stellen? Zudem – da bin ich ehrlich – muss diese Person auch noch zum Verein und zu diesem Umfeld passen. Das heißt, ich mach es mir dadurch nicht leichter. Aber da bin ich eigen. Es muss pädagogisch passen, das ist wahrscheinlich das Wichtigste. Den Kindern ist doch der Trainerschein egal, wenn es menschlich nicht passt.

Ist das Feld der Jugendarbeit in den letzten Jahren komplexer, vielleicht auch schwieriger geworden?
Ich denke schon. Aber darauf muss man sich nun Mal einstellen und Lösungen finden. Bei den Trainern z.B. sind eben Personen gefragt, die die gesellschaftliche Situation der Kinder mit Schule etc. verstehen und sich darauf einlassen können. Wenn Sie von morgens 8.00 Uhr bis nachmittags um 16.00 Uhr in der Schule sitzen müssen und sich auf das Training freuen, dann wollen Sie sich doch einfach nur noch bewegen und nicht erneut in einer Ecke rumstehen oder sitzen. Dementsprechend muss das Training organisiert sein und die Trainer müssen die Sprache der Kinder sprechen. Eine Trainerperson muss also wesentlich mehr Anforderungen erfüllen als früher.

Was tun Sie dagegen bzw. wie kann man die Kinder und Jugendlichen weiterhin für den Fussballsport begeistern?
Wir versuchen da schon was, aber es ist wirklich schwierig. So versuche ich die Jugendlichen ab der B-Jugend an den Verein zu binden, in dem ich ihnen eine Mannschaft gebe oder sie als Co-Trainer einbinde. Das hilft ein wenig. Aber ansonsten ist es schwer. Und ehrlich gesagt, ist unsere Kapazitätsgrenze erreicht. Wir können rein zeitlich nicht mehr machen. Und außerdem: Was bringen uns zehn Events im Jahr, außer dass die Kinder und Jugendlichen hier anwesend sind? Ich denke, dass nützt wenig. Man muss die Jungs in die Pflicht nehmen, sie müssten Verantwortung übernehmen. Und da ist es eben schwer, die entsprechenden Aufgaben zu finden.

Was meinst Du dazu?

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