Komplexität im Fussball | Teil 1
Hallo liebe Fußballfreunde,
Fußball ist in den letzten 10 Jahren in seiner Komplexität um ein Vielfaches gestiegen – während es früher für einen Außen- oder Innenverteidiger noch reichte, ein gutes Zweikampf-Verhalten aufweisen zu können, ist er heute in den gesamten Spielaufbau mit einbezogen. Die Folge ist, dass ein Spieler wesentlich komplexer ausgebildet sein muss, um seiner Rolle auf dem Spielfeld noch halbwegs gerecht zu werden.
Vor etwa 10 Jahren war das Koordinationstraining mit seiner Leiter und verschiedenen Übungsformen revolutionär. Heutzutage gehört es zum Standard jedes guten Trainers.
Lässt man allerdings die Kinder immer nur die gleichen Übungen machen und verschwert es ihnen nicht, wenn sie eine Bewegung schon beherrschen, so hilft auch das Koordinationstraining in dieser Form nichts.
Deswegen sollte man immer komplexer denken und die Kinder im Training fördern, so dass sie sich kontinuierlich verbessern können, was Technik anbelangt, aber auch die Beweglichkeit.
In Teil 1 meiner neuen Videoserie spreche ich genau über das Thema und gehe später in der Praxis mit Übungsbeispielen auf genau diese Kriterien ein.
Wie immer wünsche ich Euch viel Spaß beim Schauen und bis dahin eine schöne Fußballzeit,
Euer Michi
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Michi Schuppke: „Komplexität im Fußball“
Hallo liebe Fußballfreunde,
ich bin der Michi vom DVDFussballtrainer und ich möchte euch heute einen kleinen Trainingstipp mit auf den Weg geben. Für diesen kleinen Trainingstipp muss ich leider ein bisschen weiter ausholen. Es geht um die Thematik: Fußball ist ein sehr komplexer Sport. Das ist also die Thematik, über die wir kurz sprechen müssen. Das, denke ich, ist ja nichts Neues, Fußball war schon immer komplex, aber diese Komplexität ist in den letzten Jahren definitiv größer geworden.
Und es scheint momentan so – auch wenn viele schon ein Ende der Entwicklung abgesehen haben – dass es noch viel weiter gehen und viel komplexer werden wird.
Ein Beispiel wäre der „Manndecker“, der klassische von früher; der hatte die Aufgabe – vereinfacht gesagt – das Spiel zu „zerstören“, d.h. entweder hat er seinem Gegenspieler eins auf die Füße mitgegeben oder den Ball auf das Stadiondach gedroschen, aber in den Spielaufbau war er eigentlich weitestgehend nicht mit einbezogen, es sei denn mit einem langen Ball schnell raus aus der Abwehr weg, aber mal ein sauberes Zuspiel ins Mittelfeld rein oder so war jetzt eher die Ausnahme.
Und heute, wenn man mal das Pendant hernimmt, im heutigen modernen Fußball mit den Vier-Ketten-Systemen, dem Außen- oder Innenverteidiger, da müssen die ja wesentlich komplexer spielen, komplexer denken und von Grund auf auch komplexer ausgebildet sein. Der Außen- und Innenverteidiger braucht heute nicht mehr nur ein gutes Zweikampf-Verhalten, sie sind komplett in den Spielaufbau mit einbezogen, d.h. sie müssen technisch hervorragend ausgebildet sein, sie müssen individual-taktisch hervorragend ausgebildet sein, in der Gruppe müssen sie funktionieren, sie müssen viel miteinander reden. Sie müssen genau verstehen, wann sie genau angreifen sollen oder wann sie ein bisschen verzögerter verteidigen müssen. D.h. sie müssen Situationen auch vorhersehen – da sind wir bei dem allseits beliebten Begriff der Antizipation.
Sie müssen sehr viele verschiedene konditionelle Faktoren beherrschen, weil sie eben in so vielen Dingen mittlerweile integriert sind. Sie müssen beim 1:1 sehr schnell nach hinten sein, sehr schnell kräftig sein. Sie müssen aber auch beweglich sein im Zweikampf-Verhalten. Sie müssen im Spielaufbau nicht nur einen guten Angriff haben, ein gutes Kopfballspiel haben – also das ist wahnsinnig komplex geworden alles. Oder der Stürmer früher, der hat seine Hütte gemacht und dann war´s das irgendwie, und heute ist er auch in das Defensiv-Spiel extrem mit einbezogen. Das zeigt eigentlich schon, dass ein Fußballer heute viel komplexer ausgebildet sein muss, als es früher der Fall war.
Das ist die eine Seite der Geschichte. Die andere Seite ist, und die Problematik kennen wir auch – sie lässt sich vereinfacht mit dem Satz zusammenfassen: „Immer mehr Kinder bewegen sich immer weniger“ – und d.h., die Kinder, die in den Fußball eintreten, teilweise ja schon mit 4 oder 5 Jahren, werden oder sind bewegungstechnisch, motorisch, immer schlechter ausgebildet. Da erkennt man eigentlich jetzt schon diese Diskrepanz. D.h. nach oben hin, im Herrenbereich – sei es Amateur- oder Profibereich – geht eine ganz extreme Entwicklung hin zu einem immer komplexeren Spiel, während die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen bisschen hinterherhinkt.
Die muss eben auch dieser Komplexität gewachsen sein. Der Fußball, oder die Sportarten generell, haben ja schon darauf reagiert; jetzt bleiben wir mal beim Thema Fußball – da ist es ja so, seit 10 Jahren weiß jeder, dass das Thema Koordination und Beweglichkeit zum Training mit dazugehört. Stangen, Ringe, die Koordinationsleiter, das war ja vor 10 Jahren fast eine Revolution – heut ist sie beinahe Standard, jeder weiß auch etwas damit anzufangen, und das ist auch gut so. Aber die Frage, die man sich stellen muss, ist: Reicht dieses einfache Koordinationstraining, das wir jetzt so kennen – beispielsweise ich lege Stangen hin, laufe da mit zwei Kontakten drüber – das Lieblingsbeispiel – reicht das aus, um diesem Komplexen später dann gewappnet zu sein?
Meine Antwort darauf ist kein klares Nein, sondern eher: Naja, auf jeden Fall nicht ganz. Was klar ist, ist, wenn wir jetzt Ringe oder Stangen hernehmen und machen da zwei oder drei Kontakte, Sidesteps durch die Stangen, was auch immer, dann hat das natürlich seine Berechtigung, und das muss auch geschult werden. Und wenn es ums Lernen von solchen Bewegungen geht, dann muss es auch isoliert geschult werden. Aber wenn diese Bewegungen bereits beherrscht werden, jetzt im koordinativen Bereich, aber auch im technischen Bereich, dann muss man irgendwann, abhängig vom Ausgangsniveau der Spieler, hergehen und das alles wesentlich komplexer trainieren.
Als Beispiel: Wenn jemand einen Trick anwenden möchte, also der Trainer sagt: ‘ok, heute machen wir mal ein paar Tricks’, stellt ein Hütchen hin und da muss der Spieler dann hindribbeln, einen Übersteiger machen mit anschließendem Schuss aufs Tor – dann ist das nicht komplex gedacht, dann passt das nicht in das spätere Spiel hinein. Sondern da muss man halt hergehen – die Taktik reagiert ja eh schon drauf – und sagt ‘ok, wir müssen spielnah trainieren’. Aber in dem Beispiel kann man es einfach sehr gut festmachen: da muss man hergehen und muss sagen: ‘ok du hast zwei Tricks, die du schon beherrschst, im offensiven Frontal 1:1 z.B., dribbel mal an, und ich geb dir beispielsweise vorher zwei Leibchen-Farben zur Auswahl; wenn ich dir Rot zeige, machst du einen Übersteiger, wenn ich dir Grün zeige, machst du einen doppelten Übersteiger mit noch irgendeinem anderen Trick drangehangen beispielsweise, sodass der Spieler seine Entscheidungen selber treffen muss.
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Hast Du einen ähnlichen Trainingsansatz?

Was meinst Du dazu?
Alex schrieb am 6. Oktober 2011 um 16:22 Uhr:
Sehr gut Dargestellt.Respekt und Dank an euer Team.Wirklich hilfreich in der täglichen Arbeit mit Kinder und Jugendlichen.