Koordinationstraining – Die Komplexität des Fußballs | Teil 2
Hallo liebe Kids & Trainer,
ich bin wieder der Michi und ich habe hier den zweiten Teil eines Videos, in dem ich Euch ein bisschen über Koordinations-, und Schnelligkeitstraining erzählen und später auch zeigen möchte.
Hier gehe ich ein bisschen genauer auf die Komplexität im Fußball ein und worauf man speziell beim Training achten sollte.
Wichtig ist, dass man die Kinder nicht überfordert, wenn man ihnen gerade eine neue Bewegung beigebracht hat. Man sollte sie allerdings Stück für Stück an die komplexere Bewegung heranführen. So ist der Trainingsprozess langsamer, aber die Kinder lernen sehr viel dazu. Mit der Zeit beherrschen sie dann etliche Bewegungen und man kann in weitere komplexere Formen hineingehen.
Außerdem werde ich Euch noch ein paar Praxisbeispiele bringen, wie sie vor allem im Training mit den Kindern diese Schnelligkeit, Koordination bzw. Reaktion trainieren.
Wie immer wünsche ich viel Spaß beim Schauen und bis dahin eine schöne Fußballzeit,
Euer Michi.
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Wichtig ist, dass das, wovon wir jetzt hier sprechen, dieses komplexe Training, nur dann gilt, wenn Bewegungen bereits beherrscht werden, also wenn sie zumindest stabil beherrscht werden. Beim Bewegungslernen, jetzt im koordinativen Bereich, im beweglichen Bereich, oder beim Techniklernen, da darf ich das natürlich auf keinen Fall machen. Da darf ich auf keinen Fall hergehen und sagen, ‘ok, jetzt haben wir einen Übersteiger gelernt, da machen wir es gleich mal komplex, wenn ich dir Rot zeige, machst du einen Übersteiger rechts, wenn ich dir Grün zeige, machst du einen Übersteiger links’ – das führt natürlich zu gar nichts, das ist klar.
Der Spieler wird da natürlich erst mal komplett überfordert sein, weil er beide Bewegungen erst mal noch nicht sauber beherrscht. Aber wenn er es dann einigermaßen sauber beherrscht, dann sollte man hergehen und sie an diese Komplexität Stück für Stück heranführen.
Wir machen das jetzt gleich mal an ein paar Trainingsbeispielen fest. Und worüber ich mir Gedanken gemacht habe, ist v.a.: ich nehme mir jetzt einen kleinen Bereich raus, und zwar den Bereich der Reaktion. Wir haben im Fußball eigentlich ausschließlich komplexe Reaktionen. Es gibt einfache und komplexe Reaktionen:
einfach ist, wenn ich in die Hände klatsche und pfeife, oder wenn ich – wie viele Trainer – sage: ‘und hopp, jetzt!’; dann ist das eine einfache Reaktion. Aber das habe ich im Fußball eigentlich nicht. Im Fußball hast du ja nur komplexe Reaktionsformen.
D.h. Ich muss reagieren auf eine gewisse Spielsituation oder, wenn der Ball so fliegt, dann mache ich das, wenn der Ball mir auf den linken Fuß kommt, dann muss ich ihn halt auch mit dem linken Fuß annehmen, auf den rechten rüberlegen und die nächste Aktion starten.
Man muss also viel viel komplexer denken. Und diese Reaktionsgeschichte in seiner Komplexität ist deswegen so ein gutes Beispiel, weil das wiederum ich nun auch schon mit 6-Jährigen trainieren kann. D.h., ich kann ihn an ein Hütchen stellen, kann ihm Stangen hinlegen und kann sagen: ‘Ok du kannst jetzt mit einem Kontakt da drüberlaufen – das kann jeder 6-Jährige – oder du kannst mit zwei Kontakten frontal da drüberlaufen. Und wenn ich dir Gelb zeige, dann läufst du los mit einem Kontakt, wenn ich dir ein rotes Leibchen zeige, dann läufst du eben los mit den zwei Kontakten frontal. D.h. er muss selber die Entscheidung treffen. Bei einfachen Bewegungen kann ich das dann eben auch schon bei 6-Jährigen machen und – ich hab das jetzt auch ausgetestet – bei 4-Jährigen Kindern im Fußballkindergarten, selbst da geht das schon. Da muss dann natürlich Reaktionsleistung noch ein bisschen leichter sein. D.h. ich habe die Kinder durch eine Leiter laufen lassen, ganz normal, und während sie durch die Leiter gelaufen sind mit einem Kontakt, habe ich ihnen zwei Farben gezeigt, entweder das gelbe oder das rote Leibchen. Am Ende der Leiter war ein gelbes und ein rotes Hütchen. Hab ich ihnen Gelb gezeigt, mussten sie zum gelben Hütchen laufen, das umrunden und den Ball aufs Tor schießen. Hab ich ihnen das rote Leibchen gezeigt, mussten sie das rote Hütchen umrunden und dann aufs Tor schießen. Also generell gilt die Regel: Ich kann von Anfang an komplex trainieren, aber je jünger die Kinder sind, je niedriger das Ausgangsniveau ist, desto leichter müssen natürlich die Bedingungen sein.
Und je älter sie werden – ich habe heut Abend noch ein Training mit meinen 14-Jährigen Jungs – desto komplexer muss ich eben schon denken. Die beherrschen schon alle Tricks, die beherrschen schon alle Techniken, dann baue ich ihnen nichts Monotones mehr auf, sondern sie müssen selber entscheiden, welche Techniken werden in welchen Situationen angewandt. Das kann ich in einem taktischen Spielchen natürlich machen, im freien Entscheidungstraining sozusagen, aber ich kann ihnen eben quasi einen ganz einfachen Aufbau auch schon zum Aufwärmen geben: eine Hütchenreihe, durch die sie ganz langsam durchdribbeln müssen, und wenn ich sage ‘ich zeige euch die Zahl 3, dann macht ihr das mit Außen-/Innenseite im ständigen Wechsel, und wenn ich euch die Zahl 5 zeige beispielsweise, mit der Hand, dann macht ihr das nur mit der Sohle, wenn ihr da durchdribbelt.’ D.h. sie müssen Techniken anwenden auf gewisse Reize, und damit schule ich eigentlich das komplexe Denken im Fußball, dieses komplexe Spiel schule ich damit eigentlich ganz gut. Und das wollen wir euch jetzt mal ein bisschen näher demonstrieren; da habe ich ein paar Trainingsübungen aufgebaut und da gehen wir jetzt mal gemeinsam hin.
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