Es kommt nicht auf die Länge, sondern auf die Grösse an

10aJonas ist 8 Jahre alt und kann gut Fussballspielen. Er dribbelt mit dem Ball ganz eng am Fuß und kann schon mehrere Tricks. „Mini“ wird er aufgrund seiner Körpergröße scherzhaft von seinen Kumpels genannt.
Bei den Spielen am Wochenende hat er aber irgendwie Probleme. Er verliert öfter den Ball und so richtig durchsetzen kann er sich nicht. Letztes Wochenende hat er ein Gegentor verschuldet. Sein Gegenspieler hat ihm einfach den Ball vom Fuß geklaut und konnte alleine auf das Tor zulaufen. Ob er denn verrückt sei, hat sein Trainer gebrüllt. Wie schlecht er doch sei. Die sofortige Auswechslung nach fünf Minuten war die Folge. Die letzten 30 Sekunden durfte er dann noch mal ran. Das Spiel endete 1:2 – „Mini“ war für den Trainer der Schuldige und so musste er noch nach dem Spiel drei Runden um den ganzen Platz laufen. Er solle nachdenken darüber, was er falsch gemacht hat. „Mini“ ärgert sich. Er kann doch nichts dafür. Sein Gegenspieler ist zwar auch 8 Jahre alt – aber gefühlte drei Köpfe größer. „Er hat mich beim Gegentor einfach aus dem Weg geräumt wie eine Walze. So gut war er nicht. Er konnte schnell laufen und war so groß. Und eigentlich bin ich viel besser. Wenn ich nur größer wäre, könnte ich es allen beweisen.“, denkt „Mini“.
„Drei Punkte müssen her“ – das sagt der Trainer immer. Aber „Mini“ will doch nur Fußballspielen und was lernen, mal ein ganz großer werden. „Mini“ hat seit fünf Spielen nicht mehr gespielt. Alle Spiele wurden gewonnen. Max spielt jetzt für ihn – der ist schnell und hat einen festen Schuss. Er hat den Spitznamen „Mr. Big“…
Liebe Eltern, hallo Kids!
Der gute Fussballer ist derjenige, der einen entscheidenden Beitrag dafür liefert, dass wir Erwachsene am Wochenende drei Punkte bekommen. Leider ist dies die weit verbreitete Auffassung. Jugendfussball ist eine Welt der Kinder und Jugendlichen, nicht eine der Erwachsenen. Und als solche muss sie verstanden werden. Kinder und Jugendliche wollen am liebsten spielen, Freunde sind ihnen wichtig. Leistung und Erfolg gehören dazu, aber wenn man mal ein Spiel verliert, geht die Welt nicht unter. Und Training und Spiel sollen Spaß machen.
Dabei geht es nicht darum, dass unser „Mr. Big“ keine Berechtigung mehr hat zu spielen, weil „Mini“ der eigentlich bessere Fussballer ist und aufgrund seiner Größe unser Mitleid verdient hat. Es geht darum, dass alle einer Mannschaft die gleiche Berechtigung auf die Erfüllung ihrer Wünsche haben. Diese sind ganz einfach. Jeder will regelmäßig spielen, und zwar nicht nur fünf Minuten. Eine Ersatzbank wird es immer geben, aber warum nicht mal zur Halbzeit wechseln und diejenigen auch durchspielen lassen? Warum nicht den vermeintlich Schwächeren von Beginn an spielen lassen? Er würde sich so freuen. Und wer sagt denn, dass dieser „schlechtere“ Kicker sich nicht zu einem Guten entwickeln kann? Vielleicht hatte er nie eine Chance dazu.
Geben Sie den Kindern Zeit in ihrer Entwicklung. Spaß und Freude bilden dafür die notwendige Basis. Leistungsorientiertes Fussballspielen kommt früh genug – und ohne Spaß wird’s auch dann nicht klappen!

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