Champions League Spiel FC Bayern München gegen Manchester City – Teil Zwei der Spielanalyse
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David: Was ich mir so gewünscht hätte von Manchester City Seite aus: Ich weiß nicht, ob euch das aufgefallen ist, wie die Verteidigung von Bayern agiert hat? Wenn wir jetzt mal diese Stellung betrachten?
Frage: Bei welcher Situation?
David: Wenn der Gegner z. B. hier den Ball hat oder hier den Ball hat und der Edin Dzeko z. B. kommt kurz – was macht der Innenverteidiger? Hast du das gesehen?
Der geht teilweise bis hier hin mit. Und das ist nämlich, was ich glaube, was eine Schwachstelle bei Bayern ist, wenn sie eine Schwachstelle haben. Der zieht so raus, sie haben ein Fünfer-Mittelfeld und der geht so weit raus, dass du hier – was wir schon oft besprochen haben – hier dieses Loch reißt. Und dann hast du gesehen, dass im Spielaufbau Manchester City viel zu häufig diesen kurzen Ball gespielt hat. Immer hier klein, klein, klein und sie haben hier lauter offensive Spieler. Ich hätte so gerne gesehen, dass der eine hier rauszieht und der andere hier immer wieder. Natürlich rücken die hier ein und versuchen, die Lücken zu reißen. Aber ich hätte von hier mal reinziehen können, ich hätte von hier mal da reinziehen können, aber sowohl der Dzeko als auch der Aguero sind immer so kurz gekommen und dabei machst du es ihnen natürlich hier, wenn das Anspiel kommt viel leichter, weil ich hier natürlich immer Druck ausübe. Das siehst du ja wenn hier angespielt wird was du hier für eine Drucksituation hast. Und das hätte ich vielleicht als kleine Schwäche von Bayern gesehen – weil sie komplett kompromisslos rausgehen. Also es ist nicht so, wie wir es mal besprochen haben, dass sie versuchen, ganz nah am Mittelfeld dran zu sein und wenn der Pass jetzt hier kommt und der Stürmer bietet sich so nahe an, dass ich dann meinem Sechser einfach nur kurz zurufe “Einen Schritt zurück” und wir gehen dann einfach alle gemeinsam hier einen Schritt zurück. Wenn jetzt hier angespielt wird entsteht hier eine Lücke. Das Bedarf natürlich auch einer super Absprache. Und der Abstand zum Mittelfeld darf nicht zu groß sein. Aber der ist es, da haben sie die Anweisung, komplett mit raus zu schieben. Der geht hier wirklich – das war teilweise bis zur Mittellinie hat man den Boateng gesehen, wie weit der hier raus geht und sie dann hier hinten mit dem Daniel van Buyten hat glaube ich gespielt.
Ich glaube das war anders herum. Der van Buyten rennt immer so weit nach vorne.
Ja, beide – ich glaube beide. Und dann bist du hier hinten natürlich schon anfällig. Wenn dann hier ein Ball rein kommt und du ziehst dann von mir aus hier rein – der Ball kommt dann hier in diese Fläche rein – und hier wird losgelaufen – hast du hier schon gute Möglichkeiten. Und da haben sie – finde ich – eben zu oft ins Zentrum reingespielt, weil sie natürlich auch spielstarke Spieler haben, die immer wieder auch den Ball kurz fordern und zu wenig in die Tiefe gehen. Was wir mal gesagt haben, bzw. der Yogi Löw gesagt hat – ich will offensive Spieler, die in die Tiefe gehen. Diese Wege hier da eben reingehen, die es für eine Abwehr sehr schwer machen. Das hätte ich bei Manchester City gerne gesehen und man hat es nie gesehen, dass da rein gespielt wurde, weil der Ball auch nie da rein gefordert worden ist. Das hätte ich gerne gesehen, aber das ist natürlich an der Tafel hier alles schön, das muss man am Spielfeld aber erst mal umsetzen und das ist nicht so einfach. Hat jemand von euch noch Grundideen? Was ist euch aufgefallen bei dem Spiel?
Frage: Standardsituationen. Ich weiß nicht – hast du das auch gesehen wie beide verteidigt haben? Ich habe mal ein bisschen darauf geachtet. Mach mal einfach einen seitlichen Freistoß – ist egal für welche Farbe. Zwei Mann Mauer.
David: Sechs Leute, ok, so vielleicht. Und dann – mit wie viel Leuten ist Bayern rein gegangen?
Fünf, sechs auch.
David: So in etwa wird es ausgeschaut haben.
Was mir aufgefallen ist, dass z. B. in dem Fall jetzt anders herum Bayern verteidigt. Manchester City war auf gleicher Höhe im 16er und wie du beim letzten Mal auch schon erklärt hast: das erste was Bayern gemacht hat – sie haben die hereinlaufenden Spieler erst mal kurz geblockt und sind dann zu sechst alle hier hinter auf den Fünfter.
David: Haben sie es dann so gemacht, dass sie in den Kopfball reingegangen sind?
Nein, sie sind einfach zurück gelaufen und haben sich wirklich nebeneinander zu sechst auf diese fünf Meter Raum gestellt.
David: Ja gut, ich habe jetzt da nicht so darauf geachtet. Ich habe mehr so auf die geachtet, aber das ist schön, dass man das sieht, dass die erst den Raum offen halten und man im Hintergrund auch sehen kann – wenn ich den habe und das so spiele – dass ich erst mal den Raum hier freihalte für den Torhüter, damit die Spieler ja nicht zu nahe an den 16er rücken und der Raum für den Torwart dann zu klein wird. Dass sie dann, kurz bevor er anläuft, in diese Stellung hier reinkommen wollen um ihn erst mal zu blocken, dass der nicht im vollen Speed reinlaufen kann, weil er natürlich dann auch viel tiefer eindringen kann. Dass ich ihn erst mal blocke und dann nach hinten weggehe um einen Abstand zu haben, bei dem ich zuerst dann im Kopfball bin. Also das sind halt unterschiedliche Philosophien – mit Sicherheit einstudiert. Und sie sind ja bei Standardsituation – wie man sieht ist Bayern ja überhaupt nicht anfällig. Also das scheinen sie zu trainierten, das scheinen sie auch gut zu machen. Bei einem Spiel ist es dann natürlich auch wieder eine Riesenrolle so Leute wie den Daniel van Buyten eben drin zu haben der halt dann auch so kopfballstark ist. Und das ist das, was ich euch auch immer gesagt habe. Wir hatten das 2:0 vorbereitet, Standardsituation von Bayern. Daniel von Buyten kommt mit einem Kopfball hin und der Gomez hat dann die zweite Kiste gemacht. Das spielt ihnen natürlich auch nochmal zusätzlich in die Karten rein. Die Frage ist jetzt: wie ist der Freistoß entstanden? War das nicht auch wieder eine Kontersituation? Das weiß ich jetzt nicht hundertprozentig. Aber da spielt halt so ein Spieler wie Daniel von Buyten eine Riesenrolle. Klar, seine Schwächen hat er, wenn da so ein schneller, quirliger Spieler auf ihn zukommt im 1 gegen 1, das ist supergefährlich, aber wenn die Außenverteidiger eben nicht so viel hinterlaufen, können sie häufig den Raum um ihn eng machen. Damit steht er viel sicherer. Sehr kopfballstark, zweikampfstark und natürlich eine sehr gute Ausstrahlung auch. Und wenn man das vergleicht – unter van Gaal ist er halt oft in dieser Situation gewesen, dass die Außenverteidiger sehr hoch stehen, du in einen Konter rein läufst und dann hat er natürlich im 1 gegen 1 gegen diese kleinen, quirligen Spieler totale Probleme. Aber die hätte jeder bei dieser Körpergröße und dafür ist er eh noch sehr schnell für diese Körpergröße.
Bei Ecken irgendwas aufgefallen? Also ich habe es im Kopf, dass ich gesehen habe bei Bayern, dass sie einen hier vorne haben, einen im Raum und der Rest geht in Manndeckung. Also hier haben wir einen, einen vorne, einen hier – ich weiß jetzt nicht mehr genau welche Namen es waren. Zwei Leute – und sie haben auch beide Pfosten belegt glaube ich. Da müsste man sehen, müsste man darauf achten – ich glaube es sind beide Pfosten belegt, einen hier, einen hier und der Rest kommt alles zurück in Manndeckung. Also es ist eine Mischform aus Raum- und Manndeckung. Aber sie haben jetzt nicht drei, was ich mal erzählt habe, dass ich häufig drei mache. Wobei ich finde, dass man den auch vernachlässigen kann, weil wenn die Flanke dann nach hinten kommt ist sie sehr lange unterwegs und du hast ja auch einen Torwart – einen blauen Torwart, der halt diese langen Bälle auch easy abfängt mit Manuel Neuer. Was auch wieder angepasst an den Torwart ist. Ich brauche hier hinten eigentlich keinen, weil wenn er da hinkommt, ist der Ball lange unterwegs und da habe ich einen Torwart, der da immer rauskommt und die Bälle da auch abfängt. Und da sieht man halt, dass da auch eine Idee und einen Struktur hinter der Defensive ist, gerade bei Standardsituationen, und das Resultat ist, dass ich halt sehr wenig Gegendruck kassiere. In erster Instanz schon, weil die Außenverteidiger nicht so viel hier hinter laufen, damit stehst du in der Defensive kompakter, damit musst du weniger Fouls machen, damit lässt du weniger Standardsituationen zu. Und in den Standardsituationen stehe ich auch noch besser.
Trainer: Mir ist aber aufgefallen – vor allem nach der 2:0 Führung, dass dann die Außenverteidiger wieder richtig aktiv wurden bei Bayern.
David: Das hat natürlich was damit zu tun, dass viel Raum entsteht. Dadurch, wenn der Gegner versucht zu pressen, es aber nicht optimal betreibt, kannst du natürlich als Außenverteidiger schön hoch stehen, um das Pressing noch viel schwieriger zu machen. Je größer der Raum, desto schwieriger wird das Pressing für den Gegner und wenn die dann hier relativ saftlos durch die Gegend laufen, dann ist klar, dass sich die Außerverteidiger mit einschalten, aber sie haben ja nicht mit dem absoluten Zug zum Tor. Also sie haben hoch gespielt, aber sie sind nicht permanent hinter gelaufen, um die Defensive nicht zu vernachlässigen. Aber natürlich wenn du viel in Ballbesitz sein willst musst du dich auch viel anbieten. Und das haben sie eben getan und damit haben sie den Ball natürlich super laufen lassen.
Trainer: Das war früher unter van Gaal eben nicht so. Da haben sie das ständig gemacht.
David: Ja, dann ist halt die Gefahr, dass du in einen Konter läufst, aber es ist auch eine Spielphilosophie. Ihr kritisiert das so oft, aber ich glaube, dass sie jetzt auch viel davon profitieren, was sie unter van Gaal gelernt haben im Offensivspiel. Hundertprozentig – alle Außenverteidiger, alle offensiven Mittelfeldspieler, die Sechser auch. Man darf nicht vergessen, dass ein Müller, ein Schweinsteiger unter dem auch so stark geworden sind. Also da steckt viel von seiner Philosophie drinnen – mit ein bisschen Bremse, damit die Defensive gestärkt ist. Und man hat auch das Gefühl, dass der Teamgeist besser ist. Also du siehst, wenn ein Ribery den Ball verliert – er kommt im Volltempo mit zurück und das ist auch ein Grund, warum man dann diese 25 Minuten auch überstehen kann. Auch wenn der Gegner ein paar Torchancen hat. Weil der Zusammenhalt viel besser ist. Du siehst auch Gomez, der permanent zurück arbeiten, ein Toni Kroos arbeitet immer zurück und das ist das, wovon die modernen Trainer auch immer sprechen. Die Abwehr ist der komplette Verbund. Da gibt es keinen Stürmer, der einfach stehen bleibt, sondern die marschieren alle zurück und üben auf den Ballführenden somit wieder Druck aus und damit stehst du in der Defensive natürlich viel besser, wenn der schlechtere Bälle spielt. Mit Druck spielt man immer schlechtere Bälle als ohne.
Trainer: Bayern ist auch insgesamt, wenn sie in Ballbesitz sind, um Einiges variabler geworden. Sie sind nicht mehr so positionsfanatisch wie unter van Gaal. Klar hat das auch seine Vorteile. Vor allem auch die Außenspieler wie Ribery oder Müller starten jetzt viel mehr in freie Räume rein, gehen mal ins Zentrum, wechseln mal mit dem Kroos z. B.
David: Ich habe das unter van Gaal auch gesehen, dass der Robben und der Ribery die Seiten tauschen und der Müller mal woanders ist. Ich glaube eher, dass das auch psychologisch eine Auswirkung hat. Er hat sehr viel auf Ballbesitz gespielt. Er wollte, bevor du jetzt schwindlig nach vorne spielst mit einem Risikoball, wollte er lieber in Ballbesitz sein. Die Idee, die dahinter steckt ist ja auch gar nicht so doof. Er versucht, den Gegner müde zu spielen um ihn dann in den letzten 20 Minuten – ich habe immer gesagt die ersten 70 Minuten brauchst du dir das nicht anschauen – und dann schaust du dir die letzten 20 Minuten an – da schießen sie alle ab. Und es war auch eine Zeit lang so, aber der Gegner hat sich halt da irgendwann auch super auf dieses Positionsspiel eingestellt und hat gesagt: ja, ihr könnt ruhig Ballbesitz haben und wir sparen uns die Kräfte und marschieren dann mit die letzten 20 Minuten. Also ich glaube, dass die Philosophie, wie die jetzt Fußballspielen – da steckt ganz viel van Gaal noch drinnen. Die Defensive – van Gaal wollte halt nie seine Defensive auf den Gegner anpassen. Und er wollte nie vorsichtig Fußball spielen, sondern er wollte den Zuschauern ein Spektakel bieten. Und das kriegst du jetzt – das Spektakel mit seiner Spielphilosophie, aber mit geordneter Defensive. D. h., wenn die Außenverteidiger hinter laufen siehst du halt immer eine Doppelsechs hinter dem Ball, die dann dafür sorgt, dass der Angriff des Gegners oder der Konter des Gegners eben langsamer wird, damit du besser verteidigen kannst. Und bei van Gaal ist Mann und Maus marschiert und dann war es offen. Und du hast dann deine zwanzig Torchancen gehabt und der Gegner vier, aber du hast dann 2:1 verloren. Und jetzt stehst du defensiv sehr kompakt, sehr gut, indem die Außenverteidiger nicht permanent marschieren. Wenn sie marschieren, werden sie abgesichert von einer Doppelsechs und durch die gute Defensive passieren vorne zwangsläufig früher oder später die Tore, weil sie halt eine brutale Offensive haben mit Gomez, Müller, Robben, Kroos – das ist ja unglaublich.
Das war jetzt meine Sicht der Dinge. Also es wäre für mich sehr interessant gewesen, wenn Manchester City das nur 10 Minuten getan hätte das Pressing und sich dann vielleicht erst mal auf ein Mittelfeldpressing zurückgezogen hätte um die Bayern ein bisschen kommen zu lassen. Ein bisschen Kraft zu sparen und dann, wenn man das Tor geschossen hätte, noch tiefer zu stehen wie die letzten zwanzig Minuten. Die haben unglaublich schnelle Leute drin. Du hast einen Dzeko drin, dieser Aguero heißt der glaube ich, der Nasri und der Silva – das sind unglaubliche Offensivspieler. Wenn die Platz bekommen, wenn die Raum bekommen zu Kontern, sind die natürlich sehr gefährlich. Und die Schwäche ist klar, dass sie halt in der Defensive wenig tun oder zu wenig tun.
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Hallo,
da meine Taktik Analyse vom Champions League Spiel FC Bayern München gegen Manchester City etwas länger ausgefallen ist, habe ich das Video in zwei Teile aufgegliedert. Hier also TEIL 2:
Darin erkläre ich, warum ich denke, daß der derzeitige Erfolg des FC Bayern auch durch die durch van Gaal begründete offensive Spielweise zu deuten ist, eben nur mit einer viel besseren Defensive. Der Teamgeist ist jetzt da – die Mannschaft ist ein “Verbund”. Und genau so muss es sein und führt letztendlich auch zum Erfolg wie man sieht …
Jetzt wünsche ich dem FC Bayern viel Erfolg morgen gegen den SSC Neapel.
Bis zum nächsten Mal – Euer David
Hier ist Teil 1 der Analyse.






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Taktikanalyse FC Bayern München gegen Manchester City schrieb am 17.10. 2011 um 13:10 Uhr:
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