Fußballverständnis im Verein

Leistung und Erfolg sind in unserer Gesellschaft austauschbare Begriffe. Nur wer oben steht ist gut – hat eine Leistung erbracht. Nun gut – der Zweite, vielleicht auch noch der Dritte, anstandshalber nennen wir sie noch. Aber die Pokale sind schon unterschiedlich groß, das Metall wechselt die Farbe.
Frühes spezialisieren und aussortieren sind falsche Wege. Der Achtjährige, der gut Fußballspielen kann, ist manchmal schon 10 Jahre alt (biologisches Alter). Er ist größer als seine Freunde, er kann schneller laufen, besser schießen und ist im Zweikampf nicht zu überwinden. Sein Freund ist zwar auch acht Jahre alt, aber noch kleiner und nicht so reif wie der andere, vielleicht ist er biologisch gerade mal sieben Jahre alt.
Sonntags um 11 Uhr wird gespielt, drei Punkte müssen her. Also spielen die „Zehnjährigen“ in der Liga für Achtjährige. Viele geben auf. Eltern ziehen ihre Kinder zurück und die, die nicht freiwillig gehen, werden irgendwie an die Seite gestellt, bis man sie dort ganz vergisst. Es gibt ja sowieso zu wenige Fußballplätze (übrigens der Hauptplatz ist nur für die erste Mannschaft und die Alten Herren reserviert); qualifizierte ehrenamtliche Betreuer und Trainer sind rar. Die Trainer die wir haben, wollen ja schließlich Erster werden. Wie gesagt: drei Punkte müssen her.
Und das alles ist nun Talentförderung. Wir definieren:
Talent hat derjenige, der heute einen entscheidenden Beitrag dafür liefert, dass Jugendleiter, Trainer, Betreuer und Eltern drei Punkte bekommen.
Was wird nun mit den Kindern, die nach der Selektion wirklich weitermachen dürfen?
Auf sie richtet sich die geballte Hoffnung einer rosaroten Zukunft. Eltern kokettieren mit märchenhaften Profiperspektiven und planen den Ruhestand mit einer hoffentlich steigenden Zinsentwicklung für das Sportkapital Kind.
Der Druck auf die Kinder wird immer größer und spätestens mit 14 bis 16 Jahren, wenn junge Leute eine eigene Identität als Erwachsene entwickeln, setzen sie sich kritisch mit dem auseinander, was der Fußball von ihnen verlangt, ja antut. Das rückläufige Fußballinteresse von Jugendlichen ist hier kein Zufall. Kinder und Heranwachsende dürfen nicht in aller Ruhe Entwicklungsphasen körperlicher und psychischer Reifung durchlaufen. Die Meßlatte für Leistung liegt fast immer zu hoch. Die ständige Erwartung an Topleistungen führt zu falschen Belastungen und Programmen.
Dies hat zwei Konsequenzen zur Folge: wirklich talentierte Kinder müssen das Glück haben, immer etwas über dem Durchschnitt der jeweiligen Altersstufe zu liegen, um überhaupt auf Dauer an Training und Wettkampf teilnehmen zu dürfen. Andere, wenn auch anlagebedingt sehr talentiert, sind immer der Gefahr ausgesetzt, durch das Sieb erfolgsorientierter Denkweise zu fallen. Und Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer Anlagen weniger gut geeignet sind, Spitzenleistungen zu erbringen, dürfen trotz ihres großen Interesses am Fußball in den meisten Fällen auf Dauer nicht an Training und Spiel teilhaben.
Die Folgen sind, dass es nicht gelingt, den Boom des Fußballs bei Kindern in die Jugendzeit hinüberzuretten und gar zum life-time Fußball der Erwachsenen weiterzuführen. Wir sollten dankbar dafür sein, dass es inzwischen organisierte Freizeitligen gibt, die sogar Weltmeisterschaften durchführen, in denen die Jugendlichen ihrer Leidenschaft Fußball weiter nachgehen und den Mangel der Vereine umgehen. Neue Formen wie Freizeitligen sind nicht zuletzt Ausdruck eines Mangels.
Auch die Münchner-Fußball-Schule reagiert auf die Versäumnisse und Fehler der Vereine und versucht mit einer eigenen Idee und Philosophie, die Kinder und Jugendlichen langfristig für den Fußballsport zu begeistern, ganz ohne Leistungsdruck.

Zusammengefasst das Fußballverständnis im Verein in Form einer Pyramide:

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Das nächste Mal wollen wir Ihnen die Philosophie der Münchner Fussball Schule vorstellen und zeigen Ihnen, dass man die Pyramide auch auf den Kopf stellen kann.

Michael Schuppke

Diplom-Sportwissenschaftler

DVDFussballtrainer

Münchner Fussball Schule

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