Wie belastbar sind Kinder und Jugendliche im Fussballsport?

Die Entwicklungen einer Fußballkarriere im Kinder- und Jugendbereich dauert viele Jahre. Auch im Fußballsport meint man schon im Vorschulalter mit Training und Wettkampf beginnen zu müssen. Dabei zielen Trainer und Betreuer darauf ab, immer die Anforderungen des Wettkampfes und den Leistungsvergleich in den Vordergrund zu stellen. Meistens bleibt dabei unbeachtet, dass Kinder und Jugendliche aufgrund ihrer jeweiligen biologischen und psychischen Voraussetzungen überhaupt nicht in der Lage sind, Leistungen nach den Vorstellungen der Erwachsenen zu erbringen.

Als Trainer und Übungsleiter muss man erkennen, dass man bei Lernen und Leisten bei Kindern und Jugendlichen von deren jeweiligen Fähigkeiten ausgehen muss. Zu oft wird Übung im Fußballverein mit falschen Vorstellungen über Training und Wettkampf gleichgesetzt. Besser ist es, das natürliche Bewegungsverhalten und die Vorstellungen der Kinder über Fußballspielen zur Leitlinie von Trainingseinheiten zu machen.

Dabei ist alles ganz einfach!

Kinder haben den größten Spaß und den meisten Nutzen im Hinblick auf Allgemeinmotorik durch Fußball-Spielen und Fußball-Erleben. Vielfältige Bewegungserfahrungen und grundlegende Spielerfahrungen sind nicht nur der Hintergrund für richtige Programme, sondern auch Anreiz für Begeisterung und Zielstrebigkeit.

Auf Grundlage einer Spiel- und Bewegungserfahrung kann man gut aufbauen. Erlernen und Anwenden von technischen Fähigkeiten ergibt sich dann wie von selbst. Technik „hilft“ Probleme zu lösen. Es wird dann im Verlauf der Zeit immer einfacher, unter Gegner- und Zeitdruck, gute Lösungen zu finden. Sogar Mitspieler können dann als Partner eingebunden werden. Hiermit ist der Weg zum taktischen Verhalten nicht mehr weit.

Allgemeine Bewegungserfahrungen und Spielerfahrungen werden durch die Techniken des Fußballsports ergänzt und weitergeführt. Schließlich können durch Zusammenspiel Situationen im Training und Wettkampf leichter beherrscht werden. Taktisches Verhalten ergibt sich wie von selbst.

Bei schrittweise Vorgehen darf man aber nicht davon ausgehen, dass eine Leistungsentwicklung nach dem Muster 1 + 2 + 3 + 4 + ……. = Top-Fußballer verläuft. Einige lernen manchmal etwas schneller, andere begreifen Zusammenhänge gelegentlich später. Die Entwicklung der Persönlichkeit und der körperlichen Voraussetzungen verlaufen nicht immer am Lineal gezogen. „Störungen“ treten auf und verschwinden auch wieder recht schnell. Hin und wieder sind 12-Jährige fast so athletisch wie Jugendliche; 14-Jährige können noch klein wie 12-Jährige sein; 16-Jährige sehen sich selbst als erwachsen an, verhalten sich aber dennoch ab und zu wie Kinder.

Kinder und Jugendliche sollen immer als Persönlichkeiten betrachtet werden. Die Entwicklungs- und Reifeprozesse können aber sehr unterschiedlich verlaufen. Eine zu frühe Festlegung nach dem Motto … der wird „Einer“ und … der wird „Keiner“ ist nicht angebracht. So mancher, der – wie Erwachsene meinten – „Keiner“ wird, ist später ein ganz „Großer“ geworden…wenn auch vielleicht nicht immer als Fußballspieler.

Folgende Grundregeln gelten demnach für die Trainingskonzepte der Münchner Fussball Schule sowie des DVDFussballtrainers:

Kinder von 4-6 Jahren sollten vielfältige Bewegungserfahrungen zur Verbesserung ihrer Geschicklichkeit und Gewandtheit machen. Fußballspezifische Übungen machen nur 30% der gesamten Trainingszeit aus.
Dasselbe gilt für Kinder von 6-10 Jahren, zudem sollen Kinder in diesem Altersabschnitt vielfältige sportartübergreifende Spielerfahrungen sammeln.

  • Kinder von 8-10 Jahren können und sollen grundlegende technische Fähigkeiten des Fußballsports erlernen.
  • Kinder von 10-12 Jahren haben ideale Voraussetzungen, vielfältige technische Fähigkeiten des Fußballsports zu erwerben.
  • Kinder von 10-14 Jahren begreifen einfache taktische Anforderungen problemlos.
  • Kinder von 12-14 Jahren sind in der Lage, komplexe technische Fähigkeiten zu erwerben und anzuwenden.
  • Kinder von 12-14 Jahren können auf der Grundlage guter technischer Fähigkeiten taktisch variabel handeln.
  • Jugendliche von 14-16 Jahren können ihre technischen Fähigkeiten stets weiterentwickeln und komplexe taktische Leistungen erbringen.
  • Jugendliche von 16-18 Jahren können Technik und Taktik stabilisieren und verfeinern.
  • Konditionelle Eigenschaften können ab 14 Jahren gezielt gesteigert werden, jedoch ist hierfür ein Fitnessstudio der geeignetere Ort.

Die Trainer sollten bei ihrer Trainingsplanung zwei Entwicklungsmerkmale beachten:

1.Die körperliche Entwicklung:
Es soll beachtet werden, ob die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in den unterschiedlichen Altersstufen normal verlaufen ist. Da in bestimmten Phasen die körperliche Reifung häufig unterschiedlich ist, ist man gezwungen, im Training darauf Rücksicht zu nehmen. Dies hat Auswirkungen auf die Belastbarkeit und Lernfähigkeit.

2.Die psychische Entwicklung:
Für die richtige Betreuung und Belastung ist die psychische Entwicklung von besonderer Bedeutung. Es kann durchaus vorkommen, dass körperlich harmonisch entwickelte Kinder oder Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung weit voneinander abweichen. Das Verhalten junger Menschen kann problematisch sein und bedarf einer Reaktion.

Solche Phasen haben dann natürlich auch Einfluss auf die Einstellung zum Fußball und wirken sich auch auf die Trainingsarbeit aus. Die Leistungsentwicklung hängt besonders von den richtigen Trainingsprogrammen ab. Die Münchner Fussball Schule (MFS) versucht festzustellen, für welche Könner-Stufe welche Technik- und Taktikprogramme sinnvoll sind. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage, mit welcher Intention die Kinder und Jugendlichen in die MFS kommen. Vom Freizeitfußballer, der einfach nur Spaß am Fußball haben will, über die Kicker, die an einem Feriencamp teilnehmen bis hin zum Fördertraining für talentierte Kinder und Jugendliche. So wird für alle unter Berücksichtigung dieser Punkte das richtige Programm herausgearbeitet. Selbst beim Freizeitfußballer ist es wichtig, die Belastbarkeit der Kids zu beachten, denn auch dort geht der Spaß schnell verloren, wenn Anforderungen gestellt werden, die er gar nicht erfüllen kann. Auch der Freizeitspieler will lösbare Aufgaben haben.

Michael Schuppke

Diplom-Sportwissenschaftler

DVDFussballtrainer

Münchner Fussball Schule

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