Grundprinzipien des Verteidigens (2) – Das Verschieben

Der nachfolgende Artikel beleuchtet die einzelnen Verschiebe-Möglichkeiten einer Fußballmannschaft und stellt diese ausführlich vor. Dieser Beitrag bildet Teil zwei unserer Reihe “Grundprinzipien des Verteidigens”.

Seitliches Verschieben

Der gesamte Mannschaftsverbund sollte stets in Ballrichtung verschieben. Die Abstände zwischen den Spielern sollten etwa 8 bis 10 Meter sowohl horizontal als auch vertikal betragen und solange gehalten werden, bis der Ball in die Viererkette des Gegners hinein gespielt wird.

Befindet sich der Ball beim Innenverteidiger, also im Zentrum, so verschieben alle Spieler ins Zentrum um ein Spiel über den Flügel zu provozieren. Aus Sicht des Verteidigers ist es immer besser, wenn der Ball auf dem Flügel ist, da hier mit Hilfe der Außenlinie der Raum besonders gut verteidigt werden kann und der direkte Weg zum Tor zugestellt werden kann.

Vertikales Verschieben

Solange der Ball von unserem Tor wegläuft, niemand also einen langen Ball über unsere Abwehr spielen kann, sollte der Mannschaftsverbund nach vorne schieben. Sobald einer der gegnerischen Spieler den Ball so annimmt, dass er einen langen Ball spielen möchte, muss sich der gesamte Mannschaftsverbund nach hinten fallen lassen. Damit wird der Raum zum Torwart kleiner und die Wahrscheinlichkeit einer Balleroberung größer.

Der Torwart sollte die Verschiebebewegung stets mit machen um einen langen Ball ablaufen zu können. Sollte einer der Verteidiger das Laufduell gegen seinen Stürmer verlieren, so kann der Torwart in vielen Fällen die Torchance im Keim ersticken in dem er weit vor dem eigenen Tor mit verschiebt.

Verzögertes Verschieben

Das verzögerte verschieben ist im Jugendbereich bis zu den D-Junioren nicht sinnvoll. Ab dem C-Jugendalter sind die meisten Spieler in der Lage, durch einen langen Flugball, gegen die Verschiebebewegung viel Raum zu gewinnen.

Diese schnellen Spielverlagerungen können durch ein verzögertes Einschieben der ballfernen Außenspieler verhindert werden. Die ballfernen Außenspieler schieben nur so weit in Ballrichtung ein, dass eine Spielverlagerung durch einen langen Ball abgefangen werden kann. Somit wird die  Spielverlagerung durch einen langem Ball verhindert.

Sobald der ballbesitzende Spieler den Ball klar nach vorne spielt oder auf unsere Abwehr dribbelt, sollten die ballfernen Spieler komplett auf Ballseite schieben, um den Raum dort noch enger zu gestalten.

Schulen Sie Ihre Außenspieler auf dieses Verhalten. Meistens kann man klar erkennen, ob ein Spieler einen Flugball spielen oder einen flachen Ball nach vorne spielen möchte.

Absichern bei langen Bällen

Wie bereits angesprochen muss sich der komplette Mannschaftsverbund bei einer Ausholbewegung zum Flugball nach hinten fallen lassen. Erfolgt nun der Flugball auf den Stürmer, so geht der jeweilige Innenverteidiger zum Kopfball und die benachbarten Außen-  und Innenverteidiger lassen sich nach hinten fallen, um eine  Kopfballverlängerung abfangen zu können.

Zusätzlich können sich die beiden 6er sowie der offensive Flügelspieler auf der Ballseite so positionieren, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit den Abwehrkopfball des Innenverteidigers ergattern.

Schulen Sie die Fähigkeit der Spieler sich für den 50 zu 50 Ball optimal zu positionieren.

Nach außen lenken

Ist ein gegnerischer Flügelspieler durch eine sehr schnelle Spielverlagerung in eine offene Stellung gekommen und konnte sich mit dem Gesicht zum Tor drehen, so sollte der Verteidiger den Ballführenden aus der Mitte heraus stellen und ihm durch seitliche Körperstellung den Weg nach außen anbieten.

Die seitliche Körperstellung ist zum einen wichtig, um mit dem Gegner schneller Tempo aufnehmen zu können und zum anderen dem Gegner die Tor-ferne Seite anzubieten. Hier kann er mit Hilfe der Außenlinie den Gegner in die Enge treiben.

Durch das Stellen und Lenken wird Zeit gewonnen, damit der offensive Flügelpartner zum doppeln kommen kann.

Je nach Spielphilosophie kann der Ballführende auch ins Zentrum gelenkt werden. Gerade der offensive Flügelspieler könnte den gegnerischen Außenverteidiger nach innen lenken, um dann im Zentrum den Ball zu erobern.

Dies erreicht er, indem er die Linie zustellt und eine seitliche Stellung nach innen einnimmt. Durch eine Eroberung des Balles im Zentrum ist die Kontersituation vorteilhafter als auf dem Flügel.

Wenn aber der Gegner durch das Zentrum gelenkt wird, besteht erhöhte Gefahr, da der direkte Weg zum Tor geebnet wird.

In welche Richtung die Außenverteidiger und offensiven Mittelfeldspieler den Gegner durch ihre Stellung zum Ball lenken, hängt maßgeblich vom Gegner und der Spielphilosophie eines jeden Trainers ab.

David Niedermeier

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