Mentaltrainer
Niedermeier:
Du hast ja selber auch mal mit Mentaltrainern zusammengearbeitet, hast Du gesagt, bei Deinem letzten Verein. Mentaltrainer arbeiten auch viel mit Ritualen zum Beispiel. Hast Du für Dich selber irgendwelche Rituale? Es gibt den klassischen Spruch: „Mund abwischen, weiter geht´s“. Man sagt z.B. bei Spielern, wenn die einen Fehler machen, sie sollen sich einmal kurz übers Gesicht fahren oder in die Haare und das ist für sie das Ritual dieses Thema ist nun erledigt, jetzt geht es weiter?
Nicht:
Das sind so die klassischen Rituale, die der Mentaltrainer erzählt, das stimmt.
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Niedermeier:
Was hältst Du davon?
Nicht:
Das ist typabhängig. Es gibt Spielertypen, die das machen und denen es auch gut tut. Dann gibt es Spielertypen die sagen, ich kann damit nix anfangen. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn jemandem das ein gutes Gefühl gibt und es einem selbst hilft, dann bitte sollen sie es alle machen. Ich bin jetzt keiner, der sich durch irgendwelche Rituale da wieder hochziehen muss oder so was. Wie gesagt, das was für mich am Wichtigsten ist, sind im Endeffekt die Erfahrungswerte, die Du gesammelt hast. Und weißt einfach ok, es ist so und geht trotzdem weiter.
Niedermeier:
Also findest Du es sinnvoll, dass man in einer Mannschaft vielleicht einen Mentaltrainer hat und den den Spielern einfach nur anbietet? Das heißt, wer für sich selber entschließt, es wäre für ihn gut, das zu tun, dann soll er das machen und die anderen müssen das dann nicht machen. Weil manche lachen ja dann auch darüber in der Mannschaft.
Nicht:
Das ist genau meine Meinung, muss ich sagen. Ich hab mit mehreren Vereinen jetzt schon mehrere Mentaltrainer gehabt. Ein Mentaltrainer sollte da sein, also sollte zur Verfügung stehen, aber es gibt in einer Mannschaft unterschiedlichste Charaktere. Du hast 28 Spieler in der Mannschaft und hast 28 verschiedene Charaktere. Es gibt Leute, die auf so was ansprechen und es gibt Leute die sagen, ist ganz interessant und es gibt Leute, die sagen, weg mit dem, kann ich nicht hören, will ich nicht. Deswegen finde ich, dass einer angeboten werden sollte, aber das nicht für die komplette Mannschaft gemacht werden soll. Man kann mal so eine Teamsitzung machen, sich mal so allgemeine Dinge anhören, das gehört dazu, finde ich. Aber um den Spielern wirklich weiterzuhelfen, find ich, sollte man das im Einzelgespräch machen.
Niedermeier:
Wenn man jetzt z.B. darauf eingeht, ich stell mir das bloß vor, da kommt der Trainer und sagt „Ich habe jetzt für Euch einen Mentaltrainer. Wer Lust hat, kann darauf zurückgreifen.“ Und ich weiß, wie das früher so in den Mannschaften abgegangen ist und dann kommt da einer an und der verarscht Dich dann natürlich, weil Du zum Mentaltrainer gehst und ist es nicht so, dass man in dem Moment Schwäche zeigt, wenn man da hingeht oder gehen Profis mittlerweile sehr professionell damit um? Oder findest Du es vielleicht besser, dass man das eher so ein bisschen anonym macht. Das man mal die Nummer hergibt und sagt „Ihr könnt Euch mit dem treffen“. So dass es die anderen vielleicht nicht mitbekommen?
Nicht:
Habe ich so noch nicht erlebt, muss ich ehrlich sagen. Ich weiß zwar, auf was Du da hinaus willst, aber in der Profimannschaft, wo es darum geht, dass jeder Spieler das Bestmögliche aus sich rausholt. Ob es im Training ist oder ob es in Einzeltrainingseinheiten ist oder ob es so Kopfgeschichten sind. Hab ich selber nicht erlebt, dass jemand sich da negativ über einen Mitspieler geäußert hat, der so was in Anspruch nimmt. Das glaub ich nicht und das wäre auch kontraproduktiv.
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