Spieleröffnung gegen einen hoch stehenden Gegner
Ich erkläre euch heute, wie man eine Spieleröffnung gegen einen hoch stehenden Gegner am besten angeht. Was tun, wenn der Gegner tief in deiner eigenen Hälfte steht und z.B. die deine Innenverteidiger unter Druck setzt? Der Torwart und die Außenverteidiger spielen dabei eine zentrale Rolle. Diese Taktik kann auch im Jugendbereich, also auch beim 8 + 1 angewendet werden.
Auch wenn es einige Spiele erfordert, bis es klappt. Aber wir wollen den Kinder ja schließlich das Fußballspielen beibringen und sie nicht nur zum Gewinnen ausbilden, oder?
Euer David
Es tauchte hier mal die Frage auf, wie man hier optimal raus spielen kann, wenn der Gegner eben hier das vorne zustellt. Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Am Ende sind es drei Möglichkeiten.
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Dass ich z. B. hergehe und mit meinem Außenverteidiger schön nach außen ziehe und meine Innenverteidiger in die Halbposition bringe, das ist eine Möglichkeit. So dass die Stürmer hier vorne, wenn sie zustellen wollen, hier einen viel größeren Bereich haben – dass du das nicht klar zudecken kannst. Wenn du jetzt einen guten Torwart hast, der vielleicht kurz antäuscht, als ob er den Ball da raus spielt. Der Stürmer zuckt ja dann immer in eine Richtung, weil er Druck ausüben will. Kurz antäuschen und er spielt dann den Ball hier rein. Dann komme ich hier wieder in diese Position und kann nach vorne spielen. Normalerweise wird aber eine gute Defensive lieber den hier zustellen als den da außen, weil der natürlich hier viel gefährlicher für uns ist und der ist ungefährlich. Das heißt, der wird dann wahrscheinlich eher nach innen stehen. Jetzt ist wichtig, dass der Torwart kurz antäuscht, als ob er den Ball da raus spielt, und spielt den Ball aber dort raus und bietet sich dann aber auch wieder an. Und dann haben wir hier eine klare Überzahl, die man herausspielen kann. Ziel ist dann natürlich, wieder in diese ganz normale Sichelform rein zu kommen. Die Grundvoraussetzung für das Herausspielen ist, dass ich hier die Überzahl mit fünf gegen zwei auch nutzbar mache und da ist es ganz wichtig, dass du deine offensiven Leute möglichst weit nach vorne schiebst. Wenn du natürlich so stehst, wenn du dich als Sechser hier anbietest und hier anbietest, dann ziehst du die natürlich hier mit und damit hast du hier natürlich beim Raus spielen hohen Druck, das ist klar. Also muss ich schauen, dass ich hier als Sechser schön weit nach vorne schiebe und jetzt versuche ich hier diese Überzahlt auszuspielen. Dies ist natürlich immer mit Risiko behaftet, weil ich eben in meiner eigenen Hälfte anfange Fußball zu spielen und zwar relativ nahe am 16er. Also das Spiel wäre dann so: hier kurz antäuschen als ob ich hier reinspiele. Normalerweise würde der gegnerische Stürmer nicht so stehen, sondern eher ballnäher stehen, weil der Ball länger hier raus braucht. Jetzt hab ich hier zwei Anspielmöglichkeiten und wenn der hier ganz auf der Linie steht und der steht hier drinnen, dann kann ich mit einer kurzen Finte hier antäuschen und den Ball da raus spielen. Wie es dann von hier aus weiter geht, ob der dann hier kurz kommt oder ob der Gegner dann, wenn der Ball hier rauskommt hier so zuschiebt, wenn es ein guter Gegner ist, dann kommt der hier auf Ballseite und macht hier jetzt den Monsterdruck. Was ist dann die Lösung? Ball nehmen, hier den Druck schön in meine Hälfte reinziehen und dann kommt der lange Ball hier rein. Natürlich aufpassen, dass ich mit meinen Leuten hier nicht im Abseits bin und damit löse ich den Druck gegen die Bewegung der Gegner, das heißt ich kann da den Gegendruck aufbauen, das heißt dann kommt hier der lange Ball hier rein und jetzt versuche ich genau den Druck in die andere Richtung auszuüben, indem ich auf Ballseite komme und hier jeden mit Rücken zum Tor unter Druck setze. Damit ist die Drucksituation hier hinten gelöst. Was dann nicht möglich ist, wenn die mit Vollspeed da drauf marschieren, dass du jetzt meinst – so und jetzt spiele ich den Ball da noch quer und dann spiele ich ihn da noch quer – dann solltest du eine klar überlegene Mannschaft sein. Das heißt du musst dann in der Tabelle ganz oben stehen oder relativ weit oben stehen, viel Selbstvertrauen haben und einfach bessere Fußballer haben, dann ist natürlich gegen den Druck schon möglich du spielst ihn hier an, wir spielen den Ball da rüber und dann geht es hier nach vorne. Aber das ist eine Gefühlssache und ein Trainer muss die Möglichkeiten erklären, was passiert denn wenn der Druck kommt. Dann müssen deine Spieler vorbereitet sein. Dass du sagst – Jungs, wenn wir den Druck bekommen und der Spieler hier so tut, als ob er den Ball raus schlägt, schieben wir alle auf die Ballseite, um einen Gegendruck zu erzeugen oder du sagst zu ihnen – Hey, pass mal auf, wenn du die Möglichkeit hast, der Torwart spielt mit, spielst du auf den Torwart, dann spielen wir den langen Ball auf die andere Seite, dann spielen wir nach vorne. Aber das muss dann dieser Spieler hier gemeinsam mit dem Torwart selber entscheiden. Möglich ist ja auch, ich lass den Druck hier auf mich ausüben, lege den Ball dann dem Torwart so hin, dass er nicht ins Tor geht, sondern leicht neben das Tor und der kann mit einer offenen Stellung, wenn er ein guter Torwart ist, immer noch entscheiden ob ich den Ball dann von hier aus dann nach vorne dresche, oder ob ich ihn da raus spiele. Aber das ist immer so wenn der Gegendruck zu groß ist, dann spiele ich den Ball mit einem gezielten Flugball. Nicht einfach irgendwo den Ball weg schießen, also dass ich rückwärts dreh und der Ball schön hoch ist, dieser hier runter kommt und am besten hier irgendwo liegen bleibt. Das wäre natürlich der beste Ball. Jetzt geben wir nochmal die Grundformationen raus. Dann kannst du mal sehen, wie das nämlich der van Gaal häufiger gemacht hat. Jetzt gehen wir wieder davon aus, dass wir so stehen. Jetzt gibt es eine andere Möglichkeit des Rausspielens, das ist genau das Gleiche – Grundvoraussetzung wieder möglichst weit nach vorne. Die Offensiven, wo ich nicht hin spiele,um den Raum hier hinten möglichst groß zu gestalten.
Die zweite Möglichkeit ist, dass nicht die Außenverteidiger da raus gehen, sondern dass ich die Außenverteidiger sehr hoch stelle. Damit ziehe ich auch die offensiven Positionen sehr weit nach hinten und wenn der hier zu weit vorne steht, kannst du den Ball hier da rüber spielen. Also ziehe ich ihn auch sehr weit nach hinten und jetzt gehe ich mit den Innenverteidigern nach außen und jetzt hab ich hier auch wieder eine drei gegen zwei Überzahl. Das ist das, was der van Gaal im Spielaufbau häufig getan hat, wenn der Gegner sehr hoch gespielt hat und dann wird der Ball eben da raus gespielt. Die hier außen stehen ja meistens auch so ein bisschen nach innen, weil sie das Zentrum dicht halten wollen, so dass der Ball hier raus auch ab und zu einmal möglich ist. Und jetzt kannst du dir ja vorstellen, entweder die Stürmer stellen sich dann so hin, dann würde ich jetzt, wenn ich den hier nicht anspielen kann, würde ich den Ball schlagen. Das sehen wir jetzt dann auch gleich. Das ist die dritte Option, die es gibt und wenn der Stürmer aber hier im Zentrum bleibt, dann eröffne ich das Spiel über ihn ganz normal. Du siehst jetzt hier auch sofort gegenüber dem anderen System, das hat natürlich in der Defensive eine fürchterliche Anfälligkeit. Wir können uns ja vorstellen, du stehst so breit, der spielt den Ball, der kriegt ihn hierhin, der Gegner presst hier den Ball, gewinnt den Ball, dann siehst du gleich was hier passiert und bis der zweite Innenverteidiger da drinnen ist, brennt die Hütte. Und der kommt schon hier zum Torabschluss wahrscheinlich. Das heißt für diese Variante, die ist natürlich auch in Ordnung so raus zu spielen, die Frage ist bloß eben, hab ich einen Vorteil, wenn ich hier hinten den Ball habe und der Gegner steht dann so tief. Das ist dann die Frage ob ich dann da einen wirklichen Vorteil habe. Einen Vorteil habe ich dann, wenn ich es schaffe durch spielerische Mittel wieder in diese Formation rein zu kommen, so dass ich hier wieder einen klaren Spielaufbau habe. Dann habe ich einen Vorteil gewonnen. Die Frage ist: komme ich da aber wirklich rein? Wenn nicht gibt es nur eine einzige Variante: also deine Spieler – normalerweise hättest du jetzt den Gegner beobachtet. In manchen Ligen ist das nicht möglich. Damit sagst du ihm: pass mal auf, wir versuchen diese Variante um raus zu spielen und wenn der Gegner zu viel Druck erzeugt, dann sagt der Torwart: nein, wir schlagen. Dann ist hier der Ball. So haben wir uns angeboten gehabt. Der Gegner hat das aber komplett unterbunden – wie auch immer – der Torwart entscheidet nein wir schlagen ab. Dann rutschen wir hier rein, schön nach innen rein rutschen, schön breit nach vorne. So, die Stürmer werden dann vermutlich mitkommen, weil sie sonst im Abseits sind. Und jetzt heißt es Räume optimal aufteilen, damit wir den ersten Ball gewinnen, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ballbesitz bekommen. Das heißt der hier außen steht ganz schlecht – da reinrutschen. Der hier außen steht auch schlecht – da reinrutschen. Stürmer auf Ballseite, Zehner auf Ballseite. Und auch hierfür – jetzt sollten wir so stehen, dass wenn der Ball hier kommt, dass er nicht hier steht, sondern dass er vielleicht hier steht und er auch näher zum Ball, weil du siehst, dass wir jetzt eine größere Fläche abdecken. Wenn er dann hier noch ein bisschen einschiebt, decken wir hier die komplette Fläche für den zweiten Ball ab, falls der Gelbe den Ball gewinnt. Natürlich gibt es da Räume wo der Ball reinkommen kann, aber er sollte neben ihm stehen und versuchen, den zweiten Ball eben zu gewinnen. Das ist eine Fähigkeit, die ich meinen Spielern beibringen muss – ballnah zu stehen. Wenn der Aufschlag hier auf der Seite ist, würde ich den auch hier rüber stellen. Jetzt siehst du ja schon was hier passiert. Jetzt haben wir eine Überzahl in Ballnähe, das heißt die Wahrscheinlichkeit den zweiten Ball zu gewinnen ist groß und damit können wir auch schnell nach vorne spielen. Genau so sollten die Spieler wissen, wenn der Abschlag hier kommt – der Gegenspieler hat hier einen riesengroßen Spieler und wir haben einen kleinen Stürmer - dann werden wir kein Kopfballduell gewinnen. Dann geht halt der Ball immer auf ihn und dann stelle ich halt dann einen Großen hin. Von mir aus ziehe ich aus dem Zentrum einen raus, der dann auf den Flügel geht und dann schlage ich den ersten Ball auf ihn und ausgemacht ist, dass der Zehner und der Stürmer versuchen, den zweiten Ball zu gewinnen, so dass sie nicht im Abseits stehen und wenn eine Doppelsechs kommt nimmt der den Ball und wir schieben komplett den Ball zur Seite rein. Und jetzt kommt der lange Ball da rein. Aber das sollte halt vorher abgesprochen sein. Schlecht ist, wenn ihr das in eurem Spiel macht, wenn die Vorgabe ist wir spielen immer raus. Und du spielst den Ball raus, der Gegner presst zu, gewinnt den Ball und läuft auf das Tor zu. Die Gefahr ist immer im eigenen 16er, vor dem eigenen Tor den Ball zu verlieren ist immer gefährlich. Das funktioniert eigentlich nur, wenn der Gegner sich zurückzieht oder wenn der Gegner ein schlechtes Pressing spielt oder du spielerisch so stark bist, mit einem so starken spielerischen Torwart auch, dass die immer hier ins Leere pressen und du spielst dann in die andere Seite und gewinnst natürlich hier dann große Räume.
Frage: Im Herrenbereich ist mir das völlig klar. Also da macht es ja auch Sinn. Wie ist das jetzt bei deinen Jungs – du spielst ja auch 8 + 1. Bei mir ist es halt z. B. oft so, dass die uns schon kennen, wissen dass wir eigentlich jeden Ball da raus spielen. Daher stellen uns die Gegner auch komplett zu. Ich habe dann Hemmungen, meinen 11-jährigen zu erzählen, dass wir einen langen Ball nach vorne schlagen um den Druck los zu werden. Lässt du das dann trotzdem so praktizieren?
David: Lass sie raus spielen und da ist mir das dann auch wirklich egal. Du musst ihnen halt ein System an die Hand geben, das funktioniert. Und ich sage halt, dass dieses System im kleinen Feld, wenn du jetzt beim 8 + 1 bist, diese Art Spielaufbau zu betreiben – ich stehe dann so, hier müssen wir jetzt welche rausnehmen – und jetzt fängt der an, dich zu zustellen, wie auch immer. Von mir aus der stellt hier so zu. So und jetzt kannst du nicht raus spielen. Jetzt gibt es eine ganz einfache Möglichkeit und das haben wir ganz oft auch schon gelernt. Du stellst dich nicht komplett auf die Linie raus wenn der mitgeht, sondern du gehst weiter nach Vorne. Ungefähr so. Und jetzt deckt der dich. Und der Torwart schaut den an und legt sich auf den auch wirklich fest und der macht einen Auftakt dagegen. Weggehen, kommen, anspielen, prallen lassen, dann haben wir jetzt hier den Ball. Wenn der mich jetzt hier so angreift, dann rutscht der hier noch rein oder im richtigen Moment kommt er entgegen, hopp und dann sind wir hier. Die Situation ist, dadurch dass du als Ballführender, wenn es ausgemacht ist du agierst und er muss reagieren. Das heißt er kommt eigentlich, wenn du dich richtig freiläufst, nie an den Ball. Du kannst dich ja auch mal gegenteilig freilaufen, indem du dich hier hinstellst und dann machst du eine Auftaktbewegung, brichst ab und kriegst dann den Ball hier rein. Oder der Sechser kommt, wenn die so breit stehen. Dann kommt der Sechser mit einer Auftaktbewegung, Ball hier rein spielen und wieder hier prallen lassen. Und dann spiele ich wieder meine Dreiecke über den Flügel. Es ist lösbar, aber ich muss halt bereit sein, das hier über 10, 15, 20 Spiele in Kauf zu nehmen, dass es halt auch mal in die Hose geht. Das ist die Frage: bilde ich meine Kinder wirklich so aus, dass sie Fußballspielen lernen oder bilde ich sie so aus, dass sie Spiele gewinnen. Dann wäre es natürlich sinnvoller, den Ball nach vorne zu hauen. Aber in unserer Philosophie auf gar keinen Fall. Und wie ihr es dann löst. Ich finde es so immer einfacher für die Kinder, weil es für den Gegner noch schwieriger ist zuzustellen. Und oft hast du die Situation du spielst den Ball raus, der kriegt ihn mal und jetzt kommen die Stürmer hier nicht nach innen rein und du kannst mit dem Ball hier wirklich marschieren und kannst dann mit einer Auftaktbewegung den Offensiven anspielen. Wichtig ist halt nur dann, wenn der Torwart hier marschiert mit dem Ball und ich sehe, dass er den Ball hier rein spielt, dass ich mit meinen Innenverteidigern in diese Position wieder rein komme. Dass, wenn wir den Ball spielen – hier z. B. hier rein – dass ich mit der Sechs hinter den Ball komme und dass ich hier bei Ballverlust den Konter unterbinde. Also das würde ich einfach generell immer praktizieren lassen und das ist gerade beim 8 + 1, weil dieses Spielfeld ja auch ein bisschen einziehen, ein bisschen enger machen ist die Variante mit den zwei Außen eigentlich so wie im Hallenfußball auch. Die Innenverteidiger nach außen ziehen und den Sechser hier alleine verteidigen lassen.
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