Das Spielsystem 4-1-4-1
Wir vergleichen heute mal die Systeme 4-1-4-1 und 4-4-2. Im 4-1-4-1 haben wir einen Spieler mehr vor dem Ball und das macht in der Offensive einen großen Unterschied. Auch der Weg in die Tiefe wird kürzer. Man hat zwei kreative Spieler, die die Viererkette besser bearbeiten können. Man kann die Gegner gut hinten weg ziehen, so dass ein großer Raum entsteht.
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Wir schauen mal auf das System 4-1-4-1. Das hat die DFB-Elf jetzt unter Löw gegen Polen und gegen Österreich gespielt und jetzt wollen wir das einfach mal untersuchen im Vergleich zum 4-4-2. Also kommen wir erst mal zu dem Punkt, wenn wir selber den Ballbesitz haben. Also Deutschland im 4-1-4-1 hat Ballbesitz.

Deutschland ist blau – hier haben wir eine Viererkette.
Ja, mach die mal breiter. Wir wollen wirklich auch klares Raumverständnis haben. So breit stehen wie möglich.
Viererkette steht breit, hier zwei 6er davor, hier zwei offensive Mittelfeldspieler, unsere äußeren Mittelfeldspieler und eine Sturmspitze. Was mir als erster Punkt gleich aufgefallen ist, dass man eine brutale Überzahl hier auf den Flügeln hat. Wir haben jetzt hier den Ballbesitz. Ich habe immer die Möglichkeit, mit diesem 10er hier Doppelpass zu spielen, weil der einfach um Einiges näher ist wie im Vergleich zum 4-5-1. Dafür steht er ja im Zentrum alleine und im 4-1-4-1 habe ich hier zwei 10er, sprich hier kann er optimal anlaufen, hat einen kurzen Passwinkel zu unserem 10er.
Ich habe im Vergleich zum 4-5-1 einen Spieler mehr vor dem Ball und das macht vielleicht offensiv einen Unterschied.
Ja, und eben bei dieser Variante ist der Passweg extrem kurz. Ich kann hier den 10er anspielen, kann sofort wieder abgeben.
Wenn du es zeigst ist es immer einfacher. Stell den 6er hier dazu, der spielt schön vom Flügel weg, der greift ihn an, er spielt und dann kann ich laufen. Bei dem anderen System müsstest du halt den 10er suchen. Der hätte jetzt krasse Laufwege. Der müsste nach links und nach rechts und so habe ich halt – wie du schon gesagt hast – zwei Leute, die die 6 doppelt belegen.
Genau, also er kann hier an dribbeln zu dem Außenverteidiger, der Passweg zu unserem 10er ist extrem kurz – er kann durchstarten. Das ist mir jetzt aufgefallen auf dem Flügel. Des Weiteren bildet sich hier zwischen dem Außenverteidiger, äußerem Mittelfeldspieler und 10er ein Dreieck, was im 4-5-1 nicht möglich wäre, weil dieses Dreieck hier wieder viel zu weit auseinander steht. Also hier können wir ein Dreieckspiel machen, sprich der spielt z. B. den Ball wieder ins Zentrum, der Außenverteidiger kann abgeben – dieser Passweg ist auch wieder um Einiges kürzer.
Würdest du das System als offensiver bezeichnen?
Es ist viel offensiver, denn du hast einfach vier Leute vor dem Ball.
Genau, geh mal auf die Spielertypen ein, auf diese zwei 8er.
Vielleicht an einem Beispiel. In dem Spiel waren jetzt der Kroos und der Özil, die halt um einiges offensiver agieren wie z. B. der Schweinsteiger oder Khedira auf der 6. Also ich habe einfach mehr Spieler vor dem Ball und ich bin, wenn ich den Ball hier bekomme, näher am Zentrum.
Und dadurch, dass man diese zwei 8er, oder nenn sie zwei 10er, so offensiv hat, ist es natürlich auch leichter, in welchen Weg rein zu laufen? Welcher Weg ist kürzer geworden?
Der in die Tiefe.
Ja genau – und das ist eigentlich das Entscheidende an dem System. Du hast zwei kreative Spieler und die können natürlich die 4er-Kette viel besser bearbeiten, weil der Weg für einen 10er sehr, sehr weit ist und wenn ich im Spielaufbau schon so weit stehe, habe ich jetzt die Möglichkeit, mit zwei Leuten hinter die Kette rein zu laufen und damit die Kette schön weit nach hinten zu ziehen. Wenn er den Ball bekommt, kann er kurz kommen und er kann lang gehen.
Muss man den beiden sicherlich mitgeben, dass sowieso immer einer marschieren muss. Man macht sich doch sonst immer im Aufbau die Spielräume selber eng, oder?
Ja, würde ich auch sagen – das einer auf jeden Fall immer in die Tiefe gehen muss.
Was mir auch aufgefallen ist – also was noch eine super Variante ist. Wir haben wieder den Ball hier am Flügel, die hier schieben rüber, die Gelben. Der kann nach innen ziehen und jetzt habe ich auch mal den Vorteil, dass dieser hier hinterlaufen kann. Also der dribbelt an hier auf den Außenverteidiger, unser 10er kann jetzt hier hinterlaufen, was jetzt in dem 4-5-1 mit einer 6 fast nicht möglich ist.
Warte. Was sagt denn ihr zu dem Thema hinterlaufen? Wann soll es stattfinden – wann soll es nicht stattfinden? Würdest du jetzt in der Situation hinterlaufen als 10er? Schieb mal die 6er nicht weg von dem Gelben. Sonst würde ich ja nur noch quer spielen. So würden die 6er normal stehen. Normal näher – die würden verteidigend stehen. Du darfst sie nicht aus dem Weg hier rausräumen, weil sonst hinterlaufe ich gar nichts und spiele quer. Wo würdet ihr jetzt hinlaufen? Vorlaufen – hier rein. Überleg mal den Weg hier. Oder selbst wenn der nach innen reinläuft – den Weg hier.
Das kommt halt ganz darauf an wo er wirklich steht. Also wenn jetzt der hier den Ball bekommt – wenn er schon hier steht …
Dann würde ich auch nicht mehr hinterlaufen. Läufst du dann die Kurve hier? Der würde hier in dieser Situation niemals hinterlaufen. Der würde immer den Ball auf die Schnittstelle hauen wollen oder er würde weggehen und er würde versuchen, den Ball hier kurz zu bekommen. Der 10er, der hinterläuft nicht. Was passieren kann im Spiel ist, dass der 10er sich jetzt mal hier rausgelöst hat. Und jetzt kriegt er den Ball, er spielt ihn wieder an, er greift ihn an und jetzt sagt er: ok, ich hinterlaufe mal – aber aus der Situation heraus. Überleg mal – er schaut mit dem Gesicht zu ihm. Jetzt laufe ich diesen Weg hier, anstatt den Weg da rein zu laufen. In seinen Rücken laufe ich rein und bekomme dann den Ball. Also hinterlaufen würde der 10er – würde ich sagen – nie. Und hier wäre es natürlich auch immer so, wie der Felix vorhin schon gesagt hat, dass ein 10er von den beiden vielleicht steigend in die Kette rein oder diagonal rein läuft und einer sich kurz anbietet. Oder, wenn ich es eben schaffe, dass ich hier rausziehe und der zweite kommt hier in das Zentrum rein, um auch anspielbar zu sein.
Ich würde gerne noch was über den Stürmer in dem System sagen. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass du da in dem System dann echt so einen Gomez hast, der dann da in der Mitte drin bleibt. Wenn du da jetzt einen Stürmer hast, der so permanent unterwegs ist. So ein Klose-Typ, der da rechts und links überall rausläuft, dann machst du halt diese Wege für die 10er komplett zu. Es ist ganz wichtig, wenn du 4-1-4-1 spielst, dass du einen Stürmer hast, der eigentlich faul ist, der in der Mitte drin bleibt.
Na ja, der die Bälle in Tornähe mit Rücken zum Tor fordert, um die Bälle dann auf die 10er auch abzugeben. Nicht vielleicht einen laufenden Stürmer, der permanent zum Flügel raus kommt, sondern einer, der sich wirklich halten kann. Und zwei kreative 10er, die reinlaufen können, wo immer sie wollen. Also wichtig ist, dass wir auch versuchen, die anderen Spieler richtig zu stellen. Wenn du den 6er nach vorne schiebst, dann können wir nicht im gleichen Moment vom Hinterlaufen sprechen. Das ist mir auch schon passiert und zwar ohne Ende, weil du mit dem Kopf ganz woanders bist. Aber immer schauen – der 6er z. B. steht schon wieder nicht in Tornähe – der gelbe da. Der offensive Mittelfeldspieler, der gelbe unten rechts neben dir, der würde immer zum Doppel kommen. Jetzt würde ich ihn halt so hinstellen. Es kann auch mal sein, dass der weiter vorne – schieb ihn mal weiter vor. So, dann hat er es halt zu Doppel nicht geschafft, weil er zu viel für die Offensive getan hat.
Ganz kurz noch – das System haben sie gegen Österreich gespielt, oder wie?
Ja.
Und wer hat da gespielt?
Kroos und Özil.
Und wer hat da auf der 6 gespielt?
Der Schweini.
Also ich kann mich an das Spiel hier nicht so erinnern. Wo ich mich krass dran erinnern kann an das 4-1-4-1 war gegen Brasilien – gegen die Raute – das war eine Sensation aus taktischer Sicht. Das haben wir ja auch analysiert.
Also wir reden jetzt immer noch davon, dass wir im Ballbesitz sind. Ich weiß nicht, ob ich das richtig gesehen habe. Nachteil in diesem System finde ich einfach – die spielen nicht beruhigend. Also ich bin enorm unter Gegnerdruck. Der kommt wirklich jetzt hier noch zum Doppel hin. Hier ist alles zugestellt. Die gegnerische Mannschaft steht wirklich kompakt und ballnah. Wie ich das Spiel beruhigen kann. Im 4-5-1 habe ich hier wirklich immer eine Doppel-6 als Absicherung bzw. Außenverteidiger, wo ich das Spiel auch mal wieder über hinten innen lenken kann.
Ja, der Weg für den 6er ist auf jeden Fall einfacher, weil er kürzer ist und sie kommen eben zu zweit hinter dem Ball. Wenn man es als Doppel-6 hinter dem Ball interpretiert. Es kann ja auch 6 und 8 sein. Also es geht in der Defensive eine Anspielstation verloren, wobei dir viele Fußballfachleute sagen würden: Ja, wenn du hinten nur mit einer 6 stehst, ist der Spielaufbau besser, weil der Raum größer ist. Was tue ich mit diesen zwei Ketten? Was tue ich denn wirklich mit diesen zwei 10ern? Ich ziehe den Gegner, die beiden gegnerischen 6er, nach hinten weg. Ich ziehe sie richtig schön nach hinten weg und dann entsteht hier – sieht man ja hier auch – ein großer Raum. Im großen Raum müsste es einfach sein, Fußball zu spielen also wenn ich den 6er hier habe.
Ich finde jetzt die Situation wieder etwas seltsam. Denn wenn ich jetzt sage – wir spielen beruhigend. Wenn ich da den Ball habe wo er jetzt ist, dann ist die einzige Beruhigung, die ich noch im Kopf habe, über den Außenverteidiger. Da habe ich dann noch die Idee, den Ball in die Mitte rein zu spielen und den Weg habe ich doch jetzt auch. Sonst kommt doch der nie.
Das kommt ja ganz darauf an wie der zum Doppel kommt.
Aber ich verstehe jetzt gerade den Sinn nicht. Wenn ich sage, das Spiel beruhigen. Wenn ich jetzt zentral den Ball erobere, dann sage ich zu meinen Jungs vielleicht: okay, wir sichern die Kugel erst mal und spielen sie hinten raus, aber da wo er jetzt ist, beruhige ich doch nicht mehr.
Es hängt ja auch davon ab, wie das Spiel steht. Es gibt viele Mannschaften – das siehst du ja auch häufig – der hat den Ball hier, könnte eventuell nach vorne spielen, spielt den Ball aber hier.
Ja gut, aber der ist jetzt doch auch möglich. Das ist doch egal, ob da ein zweiter 6er ist oder nicht.
Ja genau, aber das was ich dir sage ist: da liegst du wahrscheinlich sogar komplett verkehrt. Macht ja auch nichts. Dass du jetzt hier dem da erlaubst, vielleicht ein bisschen höher zu stehen, dadurch dass der nicht mehr hier ist. Und damit wird hier der Raum sogar im Zentrum enger. Also wenn ich hier mit diesen zwei 10ern nach vorne schiebe, schiebe ich das eigentlich absichtlich enger zusammen, aber weiter nach vorne. Der Stürmer kommt mit dazu und jetzt kann ich da noch besser raus lösen. Ich glaube nicht, dass du da das Spiel schlechter beruhigen kannst. Was ist der große Nachteil in diesem System? Wo ist der Fehler? Oder was heißt wo ist der Fehler – das ist ein tolles System, gar keine Frage.
Also wenn wir jetzt in Ballbesitz sind oder meinst du überhaupt, generell der Nachteil?
Umschaltprozess.
Also angenommen, wir verlieren jetzt hier den Ball. Der Außenverteidiger oder wie auch immer. Man sieht halt einfach, dass wir nur einen 6er hinter dem Ball haben.
Also kommen wir mal zu dem Punkt Umschaltprozess. Wir haben jetzt den Ball hier verloren. Also der Außenverteidiger des Gegners erobert den Ball. Jetzt müssen wir uns das ganze Mal anschauen, wie wir das am besten verteidigen können. Grundsätzlich haben wir folgenden Nachteil: wir haben nur einen 6er hinter dem Ball im Vergleich zum 4-5-1, wo wir zwei hätten. Also wir haben hier nur einen, sagen wir mal im Deutschlandspiel der Schweinsteiger, der wirklich hinter dem Ball steht. Jetzt ist die Frage, wie könne wir uns den Ball sofort wieder zurück erobern. Wir haben ja hier brutal viele Spieler in der Offensive. Das heißt, wir müssen den Ballführenden sofort wieder attackieren. Das würde ich jetzt machen – sofort wieder drauf schieben.
Außenverteidiger raus, 6er rüber.
Das ist die Frage, was wir mit denen hier machen. Schieb der hier rein?
Ich helfe dir. Jetzt haben wir hier die beiden 10er. Spielaufbau. Der kommt wahrscheinlich immer zum Doppel. Außenverteidiger schiebt nach hinten weg um nach außen zu lösen, wobei er das auch vorbereiten sollte, also steht er nicht mehr ganz so tief, wenn der hier vorne ins 1 gegen 1 geht. Und jetzt ist es ganz wichtig, dass sich der Defensivverbund richtig hält. Also die Maßgabe sollte bei so einem offensiven System immer sein – wir haben viele Leute in Ballnähe, d. h. Ballverlust, sofort unter Druck setzen um den Ball sofort zu erobern und die Schwachstelle dieses Systems zu übertünchen oder zu überdecken, dass der Ball genau hier in diesen Raum reinkommt, wo jetzt der 6er steht. Und deswegen ist das Entscheidende, dass beim Spielaufbau, wenn der Ball hier schon so rüber geht und da nach vorne, steht der 6er schon nicht mehr hier. Sondern der steht schon hier drüben. Erstens bietet er sich in dem Spielaufbau dem Ball an um das Dreieck wieder raus zu lösen und Nr. 2 ist – bei Ballverlust wird hier gemeinsam sofort das bearbeitet und jetzt siehst du
Also das Entscheidende bei diesem 4-1-4-1 ist in der Offensive. Wenn ich hier vom Außenverteidiger den Ball heraus spiele und ich erkenne schon, dass der nach vorne dreht und ins 1 gegen 1 geht, also das heißt, dass ein Ballverlust wahrscheinlich ist, muss der Außenverteidiger schon vorarbeiten für die Defensive und vor allem hat der 6er, wenn der Ball hier drüben ist, hier im Zentrum nichts mehr verloren, weil wir im Umschaltprozess genau hier das Problem haben, weil man nicht zwei 6er hinter dem Ball hat. Und kommt schon auf Ballseite herüber um sich erstens dem Ball anzubieten und zweitens, wenn wir den Ball verlieren, dass die Wege vom Außenverteidiger als auch vom 6er in Ballnähe sehr kurz sind und wir sofort Druck ausüben können bei Ballverlust. Hier rüber schieben, hier dran schieben und jetzt natürlich – die müssten sich auch schon vorbereiten – schieben dran und der Äußere hat normalerweise den Spielaufbau auch, wenn er erkennt, der spielt nach vorne, auch schon zwei, drei Schritte nach innen rein gemacht. Und jetzt wird hier mit Mann und Maus versucht, den Ball wieder zurück zu erobern. Hier alles in Ballnähe kommen, zumachen und den Ball schnellstmöglich hier wieder gewinnen. Wenn wir den Ball gewinnen, und es eine enge Situation ist, den Ball wieder zu lösen und breit zu machen oder wenn der Gegner eben unsortiert ist und ich den Ball hier wieder gewinne – gleich wieder los starten und gleich in diese unorganisierte Abwehr reinspielen. Also der Nachteil dieses Systems ist klar diese Doppelsechs, dass die nicht belegt ist und dieses Problem muss ich im Umschaltprozess meinen Spielern erklären, wie wir das machen. Und dazu brauche ich einen sehr zweikampfstarken, sehr intelligenten und auch einen spielstarken Fußballer, weil hier im Zentrum kannst du dir ja vorstellen, wenn du hier den Ball verlierst, dann ist keine Absicherung mehr da.
Aber im Vergleich zum System 4-4-2 oder noch besser zum 4-4-2 mit Raute bin ich doch in diesem System nie und nirgends in der Unterzahl. Das ist doch eigentlich ein saugeiles System, wenn ich die richtigen Leute dafür habe. Gegen das 4-4-2. Gegen ein anderes System – wenn die jetzt 3-5-2 oder so spielen – da sieht es schon wieder anders aus – da bin ich in der Unterzahl. Aber gegen ein 4-4-2 ist das doch ein endgeiles System eigentlich, weil ich keine Unterzahlsituation habe.
Das ist super was du sagst. Daran erkennst du auch, dass Systeme gegenüber anderen Systemen eben Vorteile haben. Und wir haben ja die Analyse Deutschland gegen Brasilien gemacht, wo Deutschland eben mit diesem 4-1-4-1 gegen diese offensiv stehende Raute gespielt hat, wo Brasilien die erste halbe Stunde unglaubliche Probleme hatte, genau weil sie mit dieser offensiven Reihe überhaupt nicht zurecht gekommen sind.
Stell jetzt mal eine Raute hin, dann siehst du es ja – brutal. Man hat ja immer Unterzahl.
Wobei du nie vergessen darfst, dass die mit Sicherheit nicht die Maßgabe hatten, in der Defensive mit Raute zu spielen. Sondern die Raute in der Offensive, weil sie natürlich sehr offensiv ist hier. Ich stelle jetzt nicht um für die Offensive, aber in der Defensive soll die Raute mit Sicherheit so stehen und der soll abkippen. Das haben sie in der zweiten Halbzeit dann auch gemacht und dann ist es besser geworden. Aber das Entscheidende ist dann hier auch wieder der Umschaltprozess. Wie der Gegner von der Raute in dieses 4-4-2 reinkommt und dann hast du halt ein Problem.
Ich denke mal, das größte Problem ist auch wirklich innerhalb des Umschaltprozesses wenn sich jetzt der 6er falsch verhält – also wir haben den Ball verloren, unser Außenverteidiger schafft es nicht wirklich, hier herein zu kommen, weil er ziemlich hoch steht. Die Innenverteidiger stehen hier. Gegen ein 4-4-2 wenn möglich – also hier der schafft es, an den Ball zu kommen, wenn dieser Ball hier sofort hier rein kommt.
Ja, oder nimmt ihn auf – ballnah.
Du brauchst halt hier zwei extrem schnelle und zweikampfstarke Spieler.
Du hast eine 2:2 Situation und vor allem hast du da hinten die gelben – was machen die 6er? Die geben Vollgas und dann hast du da zwei Offensive, die halt dann nicht so schnell zurück kommen wie die anderen.
Ist schon richtig, aber eine Unterzahl hast du trotzdem eigentlich wieder nicht. Also du hast nie eine Unterzahl. Gegen ein 4-4-2 finde ich ist das echt ein super System und du ziehst die zwei 6er komplett weg von den Stürmern.
Also gegen ein 4-5-1 würde es dann wirklich interessant. Stelle mal das 4-5-1 hin.
Da wird es dann wieder schwieriger mit dem System finde ich.
So würde es ungefähr aussehen. Der 6er kommt auf Ballseite.
Dann bist du schon in der Unterzahl.
Ja genau, jetzt hast du halt hier beim Umschaltprozess – das sind die zwei Offensiven, die den Ball fordern – dann hast du nämlich hier genau dieses Problem, dass jetzt zwei Leute, die hier wirklich tief stehen, mit dem da – und jetzt hast du hier wenn du den Ball gewinnst – wenn du jetzt hier Druck ausüben willst auf den Ball, hast du hier eine oder zwei …
Und wenn er da drauf geht der 6er auf den Vorderen, auf den 10er, dann ist der Ball auf den Stürmer gegangen.
Ja, die orientieren sich erst mal so. Und der 6er schiebt hier rüber, dann habe ich meinen 10er am 6er und ich habe meinen Stürmer auch noch dabei und meinen Offensiven. Jetzt habe ich hier den Ball verloren. Das geht auch – Druck ausüben auf den Ball – und zwar so, so und dann hier rein schieben, aber du bist dann natürlich hier hinten anfällig und du hast den Innenverteidiger raus gezogen und du hast viele Leute im zentralen Mittelfeld. Du hast halt jetzt hier mehr Leute, die nachspielen. Also wenn der Ball jetzt hier rein kommt – er hat den Weg noch nicht geschafft – hast du halt hier diese Sprintwege. Du hast halt hier einen mehr jetzt.
Es sind auch die Außen bei dem 4-5-1 eigentlich offensiver als bei 4-4-2.
Also das 4-1-4-1 ist ein super System.
Ja, ist es auch, aber der blaue Außenverteidiger bleibt ja nicht stehen. Also wenn der im Sprint nachgeht, läuft er auch mit zurück.
Das macht einen Unterschied, weil du im Pressing – das entsteht bei Ballverlust – hast du selber eine Anspielstation mehr in Ballseite als vorher.
In der Defensive, wenn du mal nicht im Ballbesitz bist als Blauer, hast du gegen ein 4-5-2 mehr Probleme als gegen ein 4-4-2.
Ich würde gegen ein 4-1-4-1 auch immer mit dem 4-5-1 antworten.
Das ist die Frage, was ein größerer Nachteil ist. Ob ich hier die Unterzahl habe oder ob ich hier die Gleichzahl näher zum Tor habe gegen ein 4-4-2.
Ja, aber du darfst ja nicht vergessen – bei einem 4-4-2 – du hast ja – gerade war blau im Spielaufbau, dann stehen die Gelben nicht so wie sie jetzt stehen. Und einer kippt normalerweise ab ins Mittelfeld. Das entscheidende ist ja eigentlich nur der Umschaltprozess. Das ist das Interessante. Die Frage ist, ob bei einem 4-4-2 der Stürmer so steht oder ob der da tief rein geht. Das ist ein echter Unterschied. Und dadurch – wenn du den Ball verlierst – muss der 6er jetzt Druck auf ihn ausüben und damit ziehe ich einen Innenverteidiger mir raus. Das ist nicht unbedingt anfälliger, aber ich habe halt hier hinten nicht mehr diese Absicherung. Beim 4-4-2 sieht es zumindest so aus wenn sie verteidigen. Wenn Blau im Ballbesitz ist schaut 4-4-2 ungefähr so aus. Und jetzt verliere ich hier den Ball. Und jetzt ist die Frage, ob das jetzt so ein großer Unterschied zum 4-5-1 ist in der Offensive. Es ist kaum ein Unterschied, aber in der Defensive hast du hier zwei 6er, die direkt gegen diese zwei Offensiven halt auch gut spielen können. Also in der Defensive stehst du einfach besser mit dem 4-5-1. In der Offensive würde ich nicht sagen.
Das ist das was ich meine. Ich glaube gegen ein 4-4-2 ist das System – ich würde es jetzt gerne mal anders herum laufen lassen – wenn die Gelben den Ball haben, dann hast du mit einem 4-4-2 gegen ein 4-1-4-1 nicht so viel Vorteil wie mit einem 4-5-1.
Wir reden von unterschiedlichen Dingen Du spielst mit einem 4-5-1 gegen ?
4-1-4-1 – aber jetzt ist mal gelb im Ballbesitz und nicht blau. Und da wenn du jetzt zwei 10er hast, die offensiv spielen, dann hast du in der Mitte …
Ist das ungefähr realistisch so? Wo ist hier die Gefahr?
Ich glaube, es ist für blau schwer Druck zu machen erst mal.
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