Bezugsgruppen bzw. Umfeld des Fußballtrainer

Der Fußballtrainer sieht sich von internen und externen Bezugsgruppen umgeben. Er muss die Erwartungen verschiedener Gruppen erfüllen und somit sein Handeln an bestimmte Normen und Werte anpassen, um diesen gerecht zu werden. Die nachfolgende Abbildung stellt diese dar.

Der Fußballtrainer ist im ständigen Austausch mit den einzelnen Bezugsgruppen. Das Verhältnis zu den einzelnen Parteien wird im Folgenden erläutert.

Der Trainer und der Verein

Rechtlich gesehen ist der Trainer Arbeitnehmer des Vereins. Er wird vom Präsidium und dem Vorstand eingestellt und bezahlt. Somit muss er gegenüber dem Verein und den Mitgliedern seiner Informationspflicht nachkommen und sie von seinem Vorhaben unterrichten.

Die meisten professionellen Fußballvereine sind heutzutage wirtschaftlich orientiert. Entscheidungen werden daher meistens mit betriebswirtschaftlichen Motiven getroffen. Der Trainer allerdings ist für die sportlichen Belange verantwortlich. Dies kann zu Differenzen zwischen Verein und Trainer führen, da sich die wirtschaftlichen Ziele oft nicht mit den Vorstellungen und Konzepten des Coaches decken. Trotzdem sollte sich der Trainer mit dem Verein identifizieren, um eine gewisse fundamentale Übereinstimmung zu erreichen.

Der Verein jedoch muss seinem Trainer die alleinige Verantwortung für seinen Fachbereich übergeben und ihn in seinen Plänen zur Erreichung der sportlichen Ziele bestmöglich unterstützen. Denn bei Verfehlen sportlicher Ziele oder sogar Eintreten von Negativserien, wird meistens der Trainer als Schuldiger gesucht. Da es unmöglich ist, eine ganze Fußballmannschaft auszutauschen folgt oft die Entlassung des Trainers. Nur wenn er die alleinige Verantwortung für sein Team hat, kann diese Kritik gerechtfertigt sein.

Anders verhält es sich bei Erfolgen, dann rühmt sich oft der Vorstand und das Management als Hauptverantwortliche für den Erfolgskurs. Sicher haben diese einen großen Einfluss auf den Erfolg eines Fußballvereins, doch das Trainerteam und die Mannschaft bestimmen die sportliche Umsetzung, die letztendlich den wirtschaftlichen Erfolg ermöglicht.

Zudem besteht in den letzten Jahren der Trend, dass sich Vereine immer mehr von Investoren und/oder Mäzenen abhängig machen, damit sie mehr Geld für Spielertransfers, Infrastruktur usw. zur Verfügung haben. Je mehr Anteile diese Investoren besitzen, desto höher ist ihr Verlangen nach besonderen Triumphen. Nun entsteht die Situation, dass Trainer sich auch vor wichtigen Investoren und Sponsoren rechtfertigen müssen und sogar fremdbestimmt werden. Dies führt zunehmend zum Verlust der Eigenständigkeit des Trainers und zu kürzeren Amtszeiten. Der Trainer ist das schwächste Glied in einem Verein.

Der Trainer und die Mannschaft

Marcello Lippi beschreibt das Verhalten des Trainers seiner Mannschaft gegenüber wie folgt. Für einen Fußballtrainer ist es unerlässlich seiner Mannschaft eine klare Linie vorzugeben, er muss ihnen das Gefühl vermitteln, alles im Griff zu haben und immer richtig zu reagieren. Zudem muss er kompetent sein und er benötigt die Erfahrung und die Persönlichkeit, um an der Spitze einer Gruppe von Männern zu agieren. Der Trainer muss mit seinen verschiedenen Spielertypen zurechtkommen, die, zumindest auf Profiklubebene, oft aus unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen Kulturen stammen.

Die Mannschaft muss spüren, dass sie von einer starken Führungspersönlichkeit geleitet wird. „11 Spieler und 1 Trainer haben schon 12mal 11 Beziehungen zueinander, dies zeigt die Dichte und Differenziertheit sozialer Beziehungen.“ (AKBAS, 2007, S.59).
Besonders im professionellen Fußball kann diese Masse an Beziehungen Konfliktsituationen hervorrufen, die durch Wettbewerbsverhalten, um bspw. Geld, Status, Prestige oder Privilegien, gekennzeichnet sind.

Der Trainer und die Öffentlichkeit

Es gilt gerade für die Trainer diese Bezugsgruppen im Auge zu behalten, denn die Fans, Zuschauer und Medien üben eine außergewöhnliche Macht auf die Entscheidungen der Vereinsführung, der Mannschaft und des Trainers aus. Durch die fortschreitende Kommerzialisierung und Professionalisierung des Fußballsports entwickeln die Medien ein immer größer werdendes Interesse gegenüber privaten Informationen von Trainern und Spielern. Oft schaffen sie realitätsfremde Bilder, über die Persönlichkeit von Trainern und Spielern und können somit die Meinungen der Zuschauer beeinflussen oder auch aufgreifen und ins Extreme avancieren. Dementsprechend haben die Medien und die Fans die Macht den Trainer als erfolgreiches Idol oder nichtnutzigen Versager abzustempeln.

Marco Mesirca

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