Spielsystem 4-4-2 mit Raute Teil 2
Hallo liebe Freunde von DVD-Fussballtrainer,
Wir wollen euch nun den 2. Teil unserer Besprechung über das Spielsystem 4-4-2 mit Raute gegen ein 4-3-3 präsentieren.
Verschiedene Spielsituationen erfordern einen nahtlosen Wechsel in ein anderes System und wieder zurück. Im modernen Fussball sollten Mannschaften in der Lage sein, möglichst schnell das System zu wechseln. Vor allem im Umschaltprozess von Offensive auf Defensive ist der Wechsel besonders wichtig.
Wie und in welches System man wechseln soll erfahrt Ihr in unserem kurzen Video.
Viel Spass dabei,
Euere David
Mitschrift: anzeigen
Ich glaube, die Zuordnung ist viel einfacher, wenn du gegen eine Raute spielst, die ist weniger das Problem. Das größere Problem ist, dass beide Innenverteidiger doppelt belegt sind und wenn sie über die Flügel durchkommen, dann hast du halt drei Leute im Sechzehner anstatt zwei. Und dann wäre dann auch wieder die Überlegung, die wir als Trainer immer haben sollten, wenn sich der Gegner eben durchspielt bis auf diese Höhe, wir schieben also jetzt das komplette Ding einfach weiter nach hinten, weil die spielerisch hervorragend waren, als welchen Grund auch immer. Schiebst du das ganze einfach weiter nach vorne, da wäre es eine Überlegung, ob ich gegen die beiden Stürmer dann nicht hinten mit einer Viererkette spiele, sondern nicht auch der ballferne Sechser, so wie wir es bei Neapel gesehen haben, nach hinten einschiebt und eine Fünferkette draus macht. Dann hab ich zweimal Stürmer plus den offensiven besser unter Kontrolle, wenn die Flanken kommen. Und draußen lasse ich eins gegen eins spielen. Also haben wir ja gesagt, Raute, überlegene Mannschaft… Jetzt habe ich natürlich hier im Zentrum mein Problem, beide Innenverteidiger doppelt belegt, der wird rausgehen, um ihn zu attackieren, und wir haben ja gesagt, der Innerverteidiger geht im modernen Fußball nie raus zum doppeln, jetzt habe ich hier, plus den da, ganz schön offensivstark. Wie der da reingelaufen ist, da hast du nicht einen Stürmer, du hast zwei Stürmer, mit dem Zehner, der auch noch da reingeht. Jetzt ist die Frage, ob man darauf nicht einfach so reagiert, der Sechser schiebt ein, und der offensive Mittelfeldspieler schiebt hier weiter ein. Und jetzt habe ich eben hier auf drei habe ich fünf Leute. Plus hier eine sechs dran. Dass ich dann in der Defensive mit fünf Leuten verteidige. Dann wird aus einer 4-5-1 ein 5-4-1. Weil die Torgefahr hier mehr und jetzt habe ich hier einen drinnen, dass die Abstände kleiner werden, das heißt, dass der mit dem Kopf dahin kommt, wird kleiner. Warum sollte ich das nicht schulen? Es ist nur mal eine Idee, wir müssen mal ein bisschen weg von diesen starren: vier verteidigen ist immer am besten. Das stimmt nicht. In manchen Situationen gegen manche Gegner ist es besser, hinten zu fünft zu verteidigen. Und das wäre halt wirklich interessant, ob man seine Mannschaft so schulen kann, das die so Linien haben, dass man sagt, ist der Gegner in Höhe dieser Linie, spielen wir mit 5-4-1, ist der Gegner in Ballbesitz in dieser Situation, spielen wir mit einem 4-5-1, und hat der Gegner hier den Ballbesitz, vielleicht ein 4-3-3. Je nach Position das eben zu ändern. Das ist halt eben wieder davon abhängig, kann ich wirklich Druck aufbauen auf den Gegner oder kann ich es nicht. Wenn ich Druck aufbauen kann, gehe ich sofort in ein 4-3-3 und schiebe hier volle Pulle vorne drauf, wenn sie den Druck lösen, versuchen wir schnellstmöglich in ein 4-5-1 zu kommen, wenn sie hier drinnen im Ballbesitz sind, und ich keinen klaren Druck auf den Ball ausüben kann, gehe ich in ein 5-4-1. Und damit habe ich die Gefahr der Flanken minimiert. Ich glaube, das sind ganz interessante Ansätze, die man sich halt überlegen sollte, das ist jetzt Herrenfußball, aber ich glaube, wir sollten unsere Kinder so schulen, das sie das umsetzen könne, dass sie das lernen können. Klar muss aber auch dann sein, was passiert, wenn wir jetzt so stehen, und der Ball kommt jetzt auf die andere Seite rüber mit einer schnellen Spielverlagerung. Schieben wir jetzt einfach mit der 4-5-1 so weiter, oder schiebt der raus, der Sechser kommt auf seine alte Position, die schieben rüber und der ballführende Sechser schiebt wieder hinten rein.
Das ist aber sehr viel Bewegung. Du musst einen intelligenten Sechser haben, eine Innerverteidigung, die kommunizieren, das funktioniert natürlich, aber man sollte schon einige Trainingseinheiten investieren.
Ja, natürlich, aber selbst wenn der Automatismus nicht immer funktioniert, dann habe ich trotzdem die Grundidee, dass mein Innenverteidiger, wenn er das Gefühl hat, oh Scheiße, jetzt kommt gleich die Flanke, da sind zwei Stürmer, weiß ich, kann ich den Sechser immer auf unsere Linie holen. Damit kann der Innenverteidiger immer einen Schritt weiter nach vorne, und damit wird der Ball mit hoher Wahrscheinlichkeit abgefangen. Wie viele Tore passieren mittlerweile, wenn geflankt wird. Ich glaube, dass das mehr sind, wie Flanken, die von der Grundlinie gezogen werden. Sondern die werden mit Zug vorne reingespielt. Und dann ist halt ein Mann mehr Gold wert. Also solche Überlegungen sollte man immer drinnen haben. Wenn wir jetzt am Freitagabend Deutschland gegen Ukraine anschauen, das 3-5-2 war nicht verantwortlich dafür, dass wir das Spiel verloren haben, das ist halt, dass sich eine nationale Mannschaft bei Standartsituationen nicht so gut stellt, also in der Defensive, da kommen wir wieder zu folgenden Thema, was wir früher immer gemacht haben, wir haben vor dem Spiel immer klar besprochen, das werden die auch gemacht haben, wer an welcher Position steht, wie wo wann gedoppelt wird, dass man bei einer Ecke niemals in einen Konter laufen kann und da waren zwei dabei. Das war das eine, vielleicht das einzige Tor, das auf einen Konter zurückzuführen ist, wo der Ball dann hier rüber kommt, der schießt mir dann aus 25 Metern ins Tor. Dass der da so frei zum Schießen kommt, ist eine Kontersituation. Das wäre das einzige Tor, das darauf zurückzuführen ist. Aber wenn wir uns es dann mal ankucken, dann sehen wir auch gleich vielleicht, was da das Problem ist. Die Ukraine 4-5-1, oder?
Ich finde, das deprimierendste an dem ganzen Spiel war der Fallrückzieher von Tymoshchuk nach einer Ecke. Das ist echt ein bitteres Zeichen, da weißt du halt, null drauf.
Das eine, das ich interessant finde, dass diese Mannschaften, die mit einer Dreierkette spielen, so im Spielaufbau spielen, und nicht so wie wir es Old School bei einem 3-5-2 kennen, diesen hier. Das hier hätte ich bei Ukraine noch viel interessanter gesehen, die Gefahr hier ist natürlich, du hast jetzt hier die Flügel doppelt besetzt, damit wird das Zentrum nicht ganz so dominiert, und damit sind die Ballverluste, die entstanden sind, nicht so häufig. Der Nachteil ist natürlich ganz klar, das sind diese Löcher hier, wenn du so spielst, den Ball verlierst, kommst du da hier ganz schnell in eine 1-1 Situation. Der Vorteil ist, dass der Flügel eben doppelt besetzt ist und das Spiel eben nicht so zentrumlastig ist, wie es bei Deutschland eben gewesen ist. Hat man ja auch wirklich gesehen, dass die wirklich versucht haben, hier aus dem System raus, mit drei Leuten im Zentrum, und dann hast du hier zwei Flügel, die jetzt auch offensiv nicht so stark besetzt waren, würd ich mal so sagen, also, können wir bestimmt stärker besetzen, dass du hier über den Flügel mit zwei defensiv orientierten Spielern, überhaupt keinen Druck nach vorne ausübst. Die Folge ist, dass du permanent in diesen Verbund da einspielst, da ins Zentrum hinein, und da ist natürlich der Ballverlust sehr wahrscheinlich. Das was wir vorher angesprochen haben, weil man natürlich auch zentraler spielen kann. Du kannst das Zentrum besser zustellen, weil der Flügel eben nur einfach besetzt ist.
Du hast bestimmt Recht, ich glaube, dass der Löw das auch schon wusste, ganz bewusst, stelle ich Spieler in die Mitte, weil er sich auch gesagt hat, wenn ich mit dem Götze und dem Özil da drin spiele, mit beiden, dann kriege ich halt so ne starke Mitte, dann können die von mir aus eigentlich stehen.
Natürlich, wir haben versucht, da durchzukommen, wie gesagt, es ging ja darum, den Ernstfall zu testen, das heißt, du bist 1:0 hinten, 10 Minuten vor Schluss. Und die Frage ist, ob ich dann mir einer Dreierkette, die aus dem Halbfeld spielt, spiele. Also ich will ihn nicht kritisieren, um Gottes Willen, der wollte was ausprobieren, das steht mit ja überhaupt nicht zu, ich versuche nur, andere Gedanken in das Spiel reinzubringen, ob es nicht dann interessant wäre, wenn ich 1:0 hinten bin, eben den Spielaufbau eben so zu gestalten. Jetzt bin ich im Zentrum so massiv, weil ich viele Leute habe, das heißt, ich habe fünf Leute im Zentrum, und ich habe die Flügel doppelt besetzt. So, und das muss man jetzt erst Mal verteidigen. Das ist natürlich hier bei diesen Positionen bei Ballverlust unheimlich anfällig, aber bei einer starken Doppel-Sechs die sich dem Ball anbietet, kann ich das vielleicht verhindern. Das wäre unglaublich interessant gewesen, das zu sehen, was dann passiert, wenn man diesen Old-School-Spiel-Aufbau, den macht man eben mal nicht, weil der so konteranfällig ist, weil ich hier diese riesen Lücken drin hab, und die diese Fläche halt nicht stopfen können, das schaffen die natürlich nicht. Das wäre krass interessant gewesen, wenn ich hier mit zwei starken offensiven Spielern und hier zwei Außenverteidigern und im Zentrum nur mit einem. Das sind Sachen, die im Profilfußball interessant wären, aber du siehst ja schon, wie dann der Trainer ganz schnell in die Kritik gerät, wenn er ein 3-5-2 ausprobiert in einem Testspiel und du spielst nur 3:3, dann geht es los, oh mein Gott, was ist das für eine Vorbereitung für eine deutsche Nationalmannschaft. Dann kommst du echt unter Druck. Und das ist, glaube ich, auch der Grund, warum so wenig variiert wird. Und solche Sachen wären halt sensationeller zu sehen, wie sie umzusetzen sind mit so einer Qualität. Das ist ja auch nicht, ich find es schön, wenn da mal ein FC Barcelona plötzlich mal eben diesem 3-5-2 anfängt mal aufzulaufen. Da sieht man mal schon die Systemveränderung, das liegt daran, wenn ich 80% Ballbesitz habe, dann sollte ich halt meinen Focus ganz klar auf die Offensive legen, und sagen, brauche ich mehr Druck nach vorne und dann kommt halt dann so ein System mal raus. Ich kann mir gut vorstellen, dass das im modernen Spielaufbau bei sehr starken überlegenen Mannschaften, die beste Lösung sein kann. Und hier kann ich auch sehr schnell Druck in den Ball bei Ballverlust, wenn ich den Ball hier vorne reinspiele, ich verliere jetzt den Ball, hier kann ich auch super Druck auf den Ball ausüben. Mit Offensiven und einer Doppel-Sechs hinten dran und einem Außenverteidiger hier, sieht man sofort, was hier passieren kann. Als unterlegene Mannschaft wäre das vielleicht nicht sonderlich sinnvoll. Die laufen in einen Konter nach dem anderen hinein.
Wenn dann der Müller reinkam, kamen aus der Mitte auch schon wieder zwei raus, dann ist da auch schon wieder mehr Platz. Dann sieht die Geschichte ganz anders aus.
Du musst dir auch überlegen, was er sich dabei gedacht hat. Ich glaube, er hat deswegen den Orozco und den Träsch da hingestellt, weil er sich halt gedacht hat, müssen nach vorne nicht so viel machen, weil ich den Götze und den Özil habe, aber sind halt blitzschnell wieder hinten. Ich glaube, eine Situation war, da war der in 10 Sekunden Träsch von einem Sechzehner zum anderen wieder. Und zwar einmal rauf und einmal runter.
Es geht halt schon auch um diese Probleme hier, dass du hier und hier in der Defensive natürlich konteranfällig bist, wenn du mit nur drei Leuten hinten drin spielst. Da werden die Räume breiter und wenn du natürlich hier einen defensiven Spieler hast, der defensiv antizipiert, macht der das Loch hier schneller zu, bzw. auf der Seite das Loch hier schneller zu. Ich glaube, dass du mit einem defensiv besetzten am Flügel dann über die Seiten, und so ist ja dann auch gewesen, so wenig Druck aufbauen kannst nach vorne, dass das Zentrum so massiert ist, dass meine guten Techniker da drinnen permanent Fehler machen, weil der Raum zu eng ist.
Man muss ja auch sagen, das ist nicht einstudiert gewesen, gar nichts. Ich finde es eh schon hervorragend, was die aus einem 0:2 und dann 1:3 dann noch aufgeholt haben.
Ich habe noch eine Frage, ich habe nicht so viel gesehen, so eine halbe Stunde oder so, dass die trotzdem, wenn der Stürmer kurz kommt, dass die rauslaufen. Würdest du bei einem 3-5-2 deinem Innerverteidiger wirklich so sagen? Du läufst mitten ins Mittelfeld rein, wenn der kurz kommt. Das ist ein bisschen brutal bei einer Dreierkette, findest du nicht? Also das ist mir krass aufgefallen, der Boateng hat immer da mit reingeschoben.
Die Frage ist, was dann diese Flügel hier tun bei Ballverlust. Da kommt es ja immer zu einer eins gegen eins Situation.
Eben, das ist ja das, was ich meine.
Es hängt extrem davon ab, welchen Druck ich auf den Ball ausüben kann. Also, wenn ich keinen Druck auf den Ball habe, dann halte ich das schon für bedenklich, dann würde ich vielleicht einen Sechser zurückziehen, wenn ich keinen Druck ausüben kann. Wenn ich aber hier einen klaren Druck auf den Ball habe, und der bietet sich hier kurz an, ich habe das unter Kontrolle, macht es vielleicht Sinn, hier draufzugehen und den abzusegnen.
Dann musst du aber absichern, eben.
Du hast hier drei Innerverteidiger, die das schon im Griff haben.
Das System ist ausgerichtet, bei Ballverlust sofort vorne Druck zu machen. Der wollte gleich abschließen und bei Ecken so Ordnung hat und bei Standards schon eine Zuordnung hat.
Ich denke, dass da die Außenpositionen da der Schlüssel sind, wenn ich denke, ich bin so überlegen und will Druck machen, dann muss ich die Außen mit Spielern belegen, die vorne auch brutal Druck machen. Die können hinten total schnell dicht machen, da laufe ich gar nicht erst mit 3-5-2 auf, weil dann spiele ich ein 4-5-1 oder irgendwas.
Oder ich habe offensive Spieler auf den Halbpositionen, die permanent den Weg aus dem Zentrum raussuchen, um das ganze auseinanderzuziehen. Das mache ja keinen Sinne zu sagen, ich spiele jetzt 3-5-2 und stelle jetzt außen zwei hin, die eher defensiv sind, wo liegt dann der Vorteil?
Ich glaube, er hat es einfach mal ausprobiert. Man redet natürlich leicht, wenn es passiert ist. Ich vermute, dass die in der Analyse dann auch selber überlegen, warum haben wir über den Flügel eigentlich überhaupt keinen Druck entwickelt und wie hätte man das besser ordnen können. Das hat man jetzt bei den Südamerikanern ganz oft gesehen, dass die eben mit drei Leuten so stehen im Spielaufbau. Da ist diese Konteranfälligkeit, um die zu verhindern. Schließen wir das Thema, oder gibt es noch irgendwas?
schließen






Was meinst Du dazu?